Nach Suizid-Versuch : Babak Rafati klagt Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel an

Der frühere Schiedsrichter Babak Rafati beschuldigt seinen ehemaligen Vorgesetzten Herbert Fandel. Er sei mit schuldig an seinem Selbstmordversuch.

Babak Rafati hat im November 2011 versucht, sich das Leben zu nehmen. Foto: dpa
Babak Rafati hat im November 2011 versucht, sich das Leben zu nehmen.Foto: dpa

Eineinhalb Jahre nach seinem Suizidversuch ist Babak Rafati mit heftigen Vorwürfen gegen den Schiedsrichter-Chef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) an die Öffentlichkeit gegangen. Der frühere Schiedsrichter machte den Kommissionsvorsitzenden Herbert Fandel mitschuldig an der Tragödie. Ihm sei „übel mitgespielt worden“, sagte der 42-Jährige in einem Interview des Magazins „Stern“. Fandel wehrte sich vehement gegen die Anschuldigungen.

Von Rafati erscheint nächste Woche ein Buch mit dem Titel: „Ich pfeife auf den Tod! Wie mich der Fußball fast das Leben gekostet hat.“ Vor dem Bundesliga-Spiel 1. FC Köln - FSV Mainz am 19. November 2011 hatte der Schiedsrichter in einem Kölner Hotel versucht, sich das Leben zu nehmen. Als Auslöser gab er später Depressionen an.

„Als Herbert Fandel mein neuer Chef wurde, habe ich absolut keine Rückendeckung mehr bekommen. Ich war es gewohnt, sachliche Kritik zu erfahren, aber keine aus meiner Sicht persönlichen Verletzungen“, so Rafati heute. Er habe nicht einmal Zuspruch erfahren, dafür nur „Kälte“ und „Unerbittlichkeit“ durch Fandel erlebt. „Diese fehlende Wertschätzung für mich als Mensch, dieser Vertrauensentzug vom Chef, der auch eine Fürsorgepflicht hat. Das war entleerend“, erklärte Rafati weiter.

Fandel reagierte betroffen und mit großem Unverständnis. „Die Sichtweise und die Vorwürfe von Babak Rafati kann ich in keinster Weise nachvollziehen und sie schockieren mich. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich Kenntnis über sein seelisches Krankheitsbild. Und niemand der Schiedsrichter hat jemals darüber Andeutungen gemacht“, sagte der Vorsitzende der DFB-Schiedsrichter-Kommission. Er habe Rafati wie jeden anderen Schiedsrichter behandelt – nach dem Leistungsprinzip. „Seine Leistungen erfüllten über einen langen Zeitraum nicht die Anforderungen. Aus diesem Grund war er heftiger öffentlicher Kritik ausgesetzt“, sagte Fandel. „Mit keinem anderen Schiedsrichter habe ich so oft gesprochen.“

Rafati kritisierte auch die damalige DFB-Führungsriege um Präsident Theo Zwanziger. Niemand habe sich bei ihm gemeldet. „Das hat mich im Nachhinein extrem aufgewühlt. Das hat mir gezeigt: es hat sich eben doch nichts bewegt.“ (dpa)

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