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Nach Tod von Justin Wilson und Jules Bianchi : Indycar und Formel 1: Das geschlossene Cockpit muss her

Nach dem Formel-1-Piloten Jules Bianchi stirbt auch der Indycar-Fahrer Justin Wilson, weil sein Kopf nicht gut genug geschützt wurde. Ein Kommentar

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Start eines Indycar-Rennens.w
Start eines Indycar-Rennens.wFoto: AFP

Die Rennsportwelt trauert wieder. Nur gut einen Monat nach dem Tod des Formel-1-Piloten Jules Bianchi ist der Brite Justin Wilson nach einem Unfall bei einem Rennen der Indycar-Serie gestorben. Nicht nur durch die zeitliche Nähe der beiden Tragödien drängen sich traurige Zusammenhänge auf.

Zwar ist die Indycar-Serie immer noch viel gefährlicher als die Formel 1. In der Formel 1 starb in den vergangenen 20 Jahren nur ein Fahrer, im gleichen Zeitraum verunglückten fünf Indycar-Piloten tödlich. Seit Dan Wheldons Tod 2011 hat die US-Serie ihre Sicherheitsstandards an Autos und Strecken immerhin verbessert. Doch an den irrwitzigen Hetzjagden durch Ovalkurse ohne Auslaufzonen hielt man fest. Bei Unfällen werden Autos und Trümmerteile auf die Strecke zurückgeschleudert und werden so zur Lebensgefahr für das ganze Feld. Das wurde auch Wilson zum Verhängnis, der ein Wrackteil an den Helm bekam. Obwohl die Ovalrennen nach aller Logik eigentlich abgeschafft werden müssten, werden sie in den USA als eine Art Kulturgut geschützt.

Ähnliches gilt für die größte Sicherheitslücke, die Indycars, Formel 1 und alle anderen Formelserien gemein haben: das offene Cockpit. Fast alle tödlichen Unfälle mit offenen Rennwagen in der jüngeren Vergangenheit kamen durch Kopfverletzungen zustande, so auch bei Wilson und Bianchi. In der Formel 1 wurden schon Tests mit Glaskuppeln durchgeführt, um die Köpfe der Fahrer besser zu schützen. Die Idee verwarf man, weil laut Formel-1-Renndirektor Charlie Whiting "die Nachteile überwogen". Im September sollen nun zwei neue Varianten getestet werden, die eher dem Charakter von Überrollbügeln entsprechen und weder die Sicht der Fahrer noch ihre Bergung beeinträchtigen sollen.

Neben den unbestreitbaren technischen Problemen scheiterte die Einführung eines wirksamen Kopfschutzes aber bisher vor allem an kulturhistorischen und ästhetischen Bedenken. Traditionalisten opponieren gegen ein geschlossenes Cockpit, ähnlich wie einst gegen Sicherheitsgurte. Sie verweisen auf Untersuchungen, nach denen Jules Bianchi den Frontalcrash mit einem Bergungskran auch in einem geschlossenen Cockpit nicht überlebt hätte. Zumindest aber wäre seine Überlebenschance größer gewesen. Das gilt auch für andere verunglückte Piloten in der Vergangenheit. Etwa für Ayrton Senna, in dessen Helm sich eine Aufhängungsstrebe bohrte, für Alan Stacey, dem ein Vogel gegen den Helm flog, oder für Francois Cevert, der kopfüber auf einer Leitplanke landete. Auch Justin Wilson könnte noch leben, wenn eine Schutzkonstruktion den Einschlag der Frontpartie seines verunfallten Kollegen Sage Karam zumindest abgedämpft hätte.

Der Formelrennsport, der sich selbst gern an der Spitze der technischen Entwicklung sieht, kann sich ein solches Sicherheitsleck nicht länger leisten. Was technisch möglich ist, muss getan werden, um die Sicherheit der Piloten zu erhöhen - selbst wenn die Lösung noch nicht komplett ausgereift ist. Auch unter den Piloten setzt sich diese Überzeugung langsam durch. Das geschlossene Cockpit muss kommen – besser jetzt als nach dem nächsten Todesfall.

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