Sport : Nach vorn gespielt

Tyson Mulock durfte zu Saisonbeginn kaum aufs Eis und wird nun immer wichtiger für die Eisbären

Katrin Schulze

Berlin - Es war nicht schwer, Tyson Mulocks Frust von seinen Lippen abzulesen. Als er am Freitagabend beim 7:2-Erfolg seiner Eisbären gegen die Iserlohn Roosters in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) eine gute Chance nicht verwerten konnte, warf er den Kopf in den Rücken und schrie auf. Dabei entsprang dem Kanadier ein nicht zitierfähiges Wort, das man in mildem Deutsch wohl mit „Mist“ übersetzen würde. Eigentlich hatte Mulock gar keinen Grund sich zu ärgern, trug der Stürmer doch zwei Tore zum 27. Saisonsieg seiner Mannschaft bei. „Es war schön, endlich helfen zu können“, sagt Mulock. „Gerade weil es anfangs nicht so gut gelaufen ist.“

Anfangs war zu Beginn der Saison, als Tyson Mulock viel mehr Zeit auf der Auswechselbank als auf dem Eis verbrachte und seinen Mannschaftskollegen beim Toreschießen zusehen musste. „Es war sehr schwer für mich“, sagt er. Denn in den vergangenen Spielzeiten war es der 24 Jahre alte Kanadier gewohnt, selbst die meisten Treffer für seine Mannschaften zu schießen. Erst für den SC Riessersee in der Oberliga, dann in der zweiten Bundesliga für die Moskitos Essen, von denen er vor der laufenden Saison mit 101 Punkten als Topscorer der Liga zum EHC Eisbären in die DEL wechselte. Dort nun „läuft alles anders“. Was ihm in der obersten Spielklasse besonders schwer falle, sei das höhere Tempo und die schnellere Reaktionsfähigkeit. Doch wie lange dauert es, sich dem höheren Niveau anzupassen? „Ich habe auf jeden Fall immer noch damit zu kämpfen, mich umzustellen“, sagt Mulock. Und das merkt man seinem Spiel auch an – oft läuft der Stürmer seinen Mitspielern hinterher und schaltet nur schwer von Angriff auf Verteidigung um. Das drückt sich auch in Mulocks Plus-Minus-Statistik aus, er stand häufiger bei Gegentoren als bei erzielten Treffern der Berliner auf dem Eis. „Gerade an meiner Defensivarbeit muss ich noch arbeiten“, findet Mulock.

Nach vorne läuft es für ihn dafür immer besser: Mittlerweile bekommt der Kanadier längere Einsatzzeiten und ist von der vierten Sturmreihe in die zweite aufgerückt. Vor allem im Überzahlspiel setzt ihn Trainer Don Jackson wegen seiner Torgefährlichkeit ein. Und das zahlt sich aus: mehr als die Hälfte seiner elf Saisontore erzielte Mulock im Powerplay und wurde damit für Jackson zu einem „Schlüsselspieler in Überzahlsituationen“. Sein Trainer schätzt den Kampfeswillen des kleinen Stürmers. Gerade jetzt, wo den Eisbären mit André Rankel, Christoph Gawlik und Denis Pederson wichtige Angreifer verletzungsbedingt fehlen, sei es wichtig, dass andere Spieler für sie einspringen und sich beweisen, sagt Jackson. Als sich am Freitag gegen Iserlohn Kapitän Steve Walker anfangs des zweiten Drittels dazu noch eine Spieldauerstrafe eingehandelt hatte, war es „vor allem Tyson Mulock, der in die Bresche gesprungen ist“, sagte Jackson.

Mulock freut sich über das Lob des Trainers: „Natürlich hört man das gerne. Es motiviert mich, noch besser zu werden.“ Schließlich habe er bei den Berlinern noch einen Vertrag bis 2009. In dieser Saison will er sich aber erst mal weiter verbessern und dazulernen, um dann nächstes Jahr in der neuen Halle am Ostbahnhof auch für die Eisbären bester Torschütze zu werden. Über vergebene Chancen will er sich dann nicht mehr ärgern.

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