Sport : Nach vorne, immer nur nach vorne Beim 5:3 in Breslau zeigt Hannover Schwächen

Drück mich. In Breslau hatte Hannovers Offensive um Lars Stindl (M.) Grund zur Freude – anders als die Verteidiger. Foto: dpa
Drück mich. In Breslau hatte Hannovers Offensive um Lars Stindl (M.) Grund zur Freude – anders als die Verteidiger. Foto: dpaFoto: dpa

Breslau - Es war ein wildes Spiel am Donnerstagabend im Breslauer EM-Stadion – mit gutem Ausgang für Hannover 96. Dennoch war die Bundesliga-Generalprobe nicht ganz nach dem Geschmack von Mirko Slomka. „Für einen systematisch denkenden Trainer ist das grausam“, kommentierte Hannovers Coach das 5:3 bei Slask Breslau. Drei Tage vor dem Punktspielstart gegen Schalke 04 gefiel dem langjährigen Mathematik-Lehrer die riskante Nach-Vorne-Verteidigung seiner Mannschaft in der Europa League nicht wirklich. „Ich hätte es lieber zu null gehabt“, gestand der ehemalige Schalke-Coach, ganz in der „Die-Null-muss-stehen-Tradition“ des kommenden Gegners am Sonntag im ersten Bundesligaspiel.

Bis dahin hat Slomka nur wenig Zeit, seinen Abwehrverbund um den gegen Breslau unsicheren Innenverteidiger Felipe neu zu ordnen und den Fokus vom polnischen Meister auf den letztjährigen Bundesliga-Dritten zu richten. „Sofort den Schalter umzulegen, das macht für mich den Reiz der Europa League aus“, erklärte der Trainer. „Es ist eine große Herausforderung, gegen eine Top-Mannschaft wie Schalke anzutreten. Über die drei Gegentore müssen wir natürlich reden und sie in die Analyse einbeziehen.“

Ob die Spielbewertung auch personelle Konsequenzen zur Folge hat, ist eine der Fragen, die Hannovers Trainerteam beantworten muss. Für den Brasilianer Felipe, der für 2,5 Millionen Euro von Standard Lüttich gekommen ist, könnte der Schweizer Mario Eggimann als Partner von Karim Haggui in die Innenverteidigung rücken. Slomka wollte Felipe allerdings unbedingt verpflichten. „Er ist ein Spieler, der sehr aggressiv nach vorne spielt. Da muss er manchmal noch besser abwägen, wann er auf der Linie bleibt oder nach vorne schiebt“, erklärte der Trainer.

Bei aller Freude über die starke Offensivleistung und fünf schön herausgespielte Tore durch Leon Andreasen (7./81. Minute), Jan Schlaudraff (25.), Lars Stindl (40.) und Manuel Schmiedebach (85.) monierten auch die Profis die Abwehrlöcher. „Wir haben zwei Tage Zeit, nachzuarbeiten. Gegen Schalke müssen wir hinten stabiler stehen“, sagte Schlaudraff. „Ich habe mich total geärgert, dass es von außen zu einfach aussah“, meinte Nationalkeeper Ron-Robert Zieler. „Das muss bis zum Wochenende besser werden. Da müssen wir kompakter spielen.“

In Breslau konnten Zieler, rund 1700 mitgereiste 96-Fans und Präsident Martin Kind die drei Gegentore durch Tomasz Jodlowiec (34.), Sylwester Patejuk (54.) und Przemyslaw Kazmierczak (61.) letztlich verschmerzen. „Unsere Mannschaft ist stark aufgetreten, wir stehen mit eindreiviertel Beinen in der Gruppenphase“, beurteilte Kind die Chancen vor dem Rückspiel am nächsten Donnerstag.

Neben dem zweifachen Torschützen Andreasen, dem vor einem Jahr die Sportinvalidität drohte und der erneut eine starke Partie zeigte, stand vor allem Schmiedebach im Mittelpunkt. Der Treffer, mit dem er das Acht-Tore-Spektakel im Breslauer EM-Stadion beendete, war sein erstes Pflichtspieltor in seinem nun vierten Profijahr für Hannover 96. „Ich freue mich sehr für Manu. Ich dachte, er schießt nie ein Tor“, scherzte sein Kollege Christian Pander.dpa

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