Nachfolge von Thomas Bach : Wird Willi Lemke neuer DOSB-Präsident?

Eigentlich soll ein interner Kandidat aus einem Sportverband Nachfolger von Thomas Bach als Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds werden. Doch auch UN-Sonderberater Willi Lemke ist nicht chancenlos.

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Aus der Welt in den Verband? Für die Vereinten Nationen ist Willi Lemke viel im Sport herumgekommen.
Aus der Welt in den Verband? Für die Vereinten Nationen ist Willi Lemke viel im Sport herumgekommen.Foto: picture-alliance/ dpa

Der einzige Bewerber will nicht mehr Bewerber sein, der Mitfavorit hatte eigentlich schon abgesagt und ein möglicher Kandidat darf noch nicht aus den Startlöchern. So sieht die Präsidentschaftssuche im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) derzeit aus. Mit seiner Nachfolge hat sich der ins Internationale Olympische Komitee aufgestiegene Thomas Bach offenbar nicht besonders intensiv befasst.

Am 7. Dezember soll in Wiesbaden der neue DOSB-Präsident gewählt werden, Der einzige offizielle Bewerber zog am Montag zurück. Walter Schneeloch, DOSB-Vizepräsident und Präsident des Landessportbundes Nordrhein-Westfalen, hatte zwar den Rückhalt der Landessportbünde. Doch als bei einer wichtigen Gremiensitzung kürzlich Verbandsvertreter gefragt wurden, wer denn Schneelochs Bewerbung unterstützen werde, war die Antwort Schweigen.

Auf Thomas Bach an der Spitze des DOSB soll jedoch nach wie vor ein Vertreter aus einem Sportverband folgen, darin sind sich viele Verbandsfunktionäre vorerst einig. Infrage käme Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Skiverbands. Er hatte zwar gerade noch mitgeteilt, nicht zur Verfügung zu stehen. Nun hat er jedoch wieder auf dem Personalkarussell Platz genommen. Als DOSB-Präsident könnte Hörmann der Münchner Olympiabewerbung für die Winterspiele 2022 durchaus einen Schub geben. Die Olympiabewerbung ist eines der wichtigsten Projekte im deutschen Sport in den nächsten Jahren. Ein einflussreicher Verbandspräsident bemängelt allerdings, dass von Hörmann bisher keine großen sportpolitischen Aussagen zu vernehmen gewesen seien.

Die andere Kandidatin ist Christa Thiel, DOSB-Vizepräsidentin für Leistungssport und Präsidentin des Deutschen Schwimm-Verbands. Eine Frau an der Spitze des DOSB können sich viele vorstellen. Doch bringt Thiel nicht die besten Referenzen mit. Beim Verbandstag der Schwimmer im November wurde sie nur mit 57 Prozent der Stimmen als Präsidentin im Amt bestätigt – obwohl sie keinen Gegenkandidaten hatte. Von den Olympischen Spielen in London waren die deutschen Schwimmer ohne Medaille nach Haus gekommen, auch das wird eine Bewerbung Thiels nicht gerade beflügeln.

Ob also tatsächlich ein Verbandsvertreter an die Spitze des DOSB rückt, gilt nicht mehr als sicher. Stephan Abel, der Präsident des Deutschen Hockey-Bundes, sagt jedenfalls: „Beim Status der jetzigen Überlegungen könnte ich mir eine externe Lösung zur Vertretung des deutschen Sports gut vorstellen.“ Und Klaus Böger, der Präsident des Landessportbunds Berlin, nennt dazu auch einen Namen: Willi Lemke. Der frühere Manager des SV Werder Bremen, der als Senator in Bremen für Bildung, Inneres und Sport zuständig war, ist derzeit UN-Sonderberater Sport für Entwicklung und Frieden. „Er ist eine Respektsperson im Inland und Ausland“, sagt Böger. „Es wäre eine tolle Chance für den DOSB, denn Willi Lemke kennt die Dimension des Sports, gerade auch die gesellschaftliche und politische. Außer Uli Hoeneß kann ihn, glaube ich, auch jeder leiden.“

Seine Aufgabe als UN-Vertreter macht Lemke derzeit viel Freude. Die langen Reisen auf unterschiedlichste Kontinente dürften jedoch eine große Belastung sein. Lemke selbst hält sich öffentlich zurück. „Das ist alles eine Sache der Gremien. Ich habe einen tollen Job, der mir unheimlich viel Spaß macht.“ Wenn er tatsächlich seine internationale Aufgabe gegen eine nationale tauschen wollte, müsste er darauf hoffen, dass sich außer Böger weitere Verbandspräsidenten für ihn aussprechen. Sein Name macht bei Sitzungen auf jeden Fall schon die Runde.

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