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Nachfolgefrage beim DFB : Rauball: "Zwanziger sollte vor Europa-Meisterschaft zurücktreten"

Theo Zwanziger kann sich vorstellen, sein Amt als DFB-Präsident schon im Frühjahr abzugeben. Der Chef der Deutschen Fußball-Liga, Reinhard Rauball hält das für eine gute Idee.

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Reinhard Rauball, Chef der Deutschen Fußball-Liga.
Reinhard Rauball, Chef der Deutschen Fußball-Liga.Foto: dpa

Der Chef der Deutschen Fußball-Liga, Reinhard Rauball, plädiert für einen Rücktritt von DFB-Präsident Theo Zwanziger noch vor der Europameisterschaft. "Es gibt sachliche Gründe dafür, es früher als im Oktober zu machen – vor allem die EM im Sommer", sagte Rauball dem Tagesspiegel.

"Ich räume ein, dass ich dieser Meinung bin und dass das Frühjahr ein guter Termin wäre." Zwanziger, der ursprünglich erst im Oktober sein Amt an den designierten Nachfolger Wolfgang Niersbach abgeben wollte, hat am Sonntag erstmals erkennen lassen, dass er sich einen Rückzug schon im Februar oder März vorstellen könne. “Ich halte einen Termin Ende Februar oder Anfang März durchaus für realistisch“, sagte der 66-Jährige im Interview mit der Zeitung "Die Welt".

Rauball sagte dazu dem Tagesspiegel: "Ich glaube, dass der designierte und der jetzige Präsident untereinander ausloten sollten, welches der richtige Termin für die Übergabe ist. Sie sollten das in voller Verantwortung für den deutschen Fußball tun. Also möglichst vor der Europameisterschaft." Designierter Nachfolger Zwanzigers ist der bisherige DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach (61).

Rauball zeigte sich nach wie vor erstaunt von Zwanzigers plötzliche Rücktrittsankündigung bei der Weihnachtsfeier des DFB. "Ich hatte gehofft, dass er seine Amtszeit zu Ende führt." Auch sei er überrascht darüber, "dass ich das nicht früher erfahren habe". Bis zur tatsächlichen Erklärung seines Rücktritts sei Zwanziger aber noch Präsident und werde das Amt "sicherlich ausfüllen", sagte der DFL-Chef. "Zu welchem Termin er den Rücktritt erklärt, steht noch nicht fest."

Rauball zeigte im Tagesspiegel-Interview auch weiterhin keine Toleranz gegenüber Fangewalt. "Körperverletzung, Landfriedensbruch oder ein Verstoß gegen das Vermummungsverbot sind keine Kavaliersdelikte", sagte der Bundesliga-Chef. Er sprach von einem gesellschaftlichen Problem. "Dass der Fußball, bei dem es zumindest in den Stadien jahrelang ruhig war, zur Bühne für Gewalt geworden ist, hat seine Ursache in erster Linie außerhalb der Sportverbände. Da kann die Politik nicht nur mit dem Finger auf die Verbände zeigen, sondern muss selbst Antworten finden, etwa auf die Jugendarbeitslosigkeit." Die Politik verlange vom Sport sichtbare Konsequenzen. "Ansonsten schafft der Gesetzgeber irgendwann die Stehplätze ab."

Zudem sprach sich Rauball vehement gegen Pyrotechnik aus: "Für mich ist das keine Fankultur. Mir ist schleierhaft, wie man etwas als Kultur bezeichnen kann, was es bei uns jahrelang nicht gegeben hat und was gegen Gesetze verstößt. Es ist rechtswidrig." Auf die Frage, warum dann die Fußballverbände den Fangruppen darüber Gespräche angeboten hätten, antwortete er: "Die Art und Weise, wie man das Thema Pyrotechnik in einer Arbeitsgruppe besprochen hat, war von Anfang an falsch angelegt. Die Rechtslage wurde völlig außen vor gelassen." Es drohe sonst auch hier ein Eingreifen der Politik, etwa die Kontingentierung von Tickets für Auswärtsfahrten.

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