Nachfolger gefunden : Nico Schäfer kommt für Christian Beeck

Nico Schäfer soll die neu ausgerichtete Lizenzabteilung des 1. FC Union unterstützen und den kaufmännisch-organisatorischen Bereich verantworten. Er tritt die Nachfolge von Christian Beeck an, vom den sich die Köpenicker überraschend getrennt hatten.

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Berlin - In einem heiklen Moment kam Nico Schäfer der Himmel zu Hilfe. Schäfer wollte gerade als Mitglied einer Studentenauswahl den Platz betreten, da begann es in Dublin wie aus Kübeln zu regnen. Der Untergrund wurde so rutschig, dass es vielen Spielern unmöglich wurde, den Ball zu kontrollieren. Auf diese Weise fiel damals niemandem auf, das der Student aus Deutschland gar kein richtiger Fußballspieler ist.

Am Mittwoch stellte der 1. FC Union Nico Schäfer als Nachfolger des am Vortag entlassenen Teammanagers Christian Beeck vor, am 1. Juli 2011 tritt er offiziell sein Amt bei den Köpenickern an. Dass Schäfer nicht aus dem aktiven Fußballgeschehen kommt, war laut Unions Präsident Dirk Zingler ein wichtiges Einstellungskriterium. „Was uns bisher fehlte war jemand, der seine Wurzeln im kaufmännischen Bereich hat“, sagt Zingler. Schäfer ist gelernter Groß- und Außenhandelskaufmann und damit das Gegenteil zu Christian Beeck, der als Spieler bei Union begann, später bis zum Sportdirektor aufstieg und am Ende als Teammanager tätig war.

Diesen Posten soll es künftig beim 1. FC Union in dieser Form nicht mehr geben. Schäfer wird sich vornehmlich um wirtschaftliche Belange kümmern. Damit liegt die sportliche Macht allein Trainer Uwe Neuhaus. In Transferfragen und der Kaderzusammenstellung muss Neuhaus sich nun mit niemanden mehr auseinandersetzen. Unter Christian Beeck war das anders. Zwar sagt Präsident Zingler: „Uwe Neuhaus hat schon seit vier Jahren die sportliche Richtlinienkompetenz und er kann auch in Zukunft keine Entscheidung treffen, die nicht mit dem Kaufmann Schäfer abgestimmt ist“, doch das ist kaum mehr als der schlecht kaschierte Versuch, Neuhaus’ neue Allmacht zu verdecken. Schon jetzt trägt der Kader in seiner Zusammensetzung klar die Handschrift des Trainers. Neuhaus setzt mit Vorliebe auf Spieler, die bei Bundesligavereinen ausgebildet wurden, den Sprung in die erste Mannschaft aber nicht schafften. Zuletzt zeigte sich das wieder bei der Verpflichtung von Markus Karl, den Neuhaus aus seiner Zeit als Trainer der Dortmunder Reservemannschaft kennt. Mit Stürmer Simon Terodde könnte ein weiterer Neuzugang nach Berlin kommen, der genau in dieses Raster passt. Der ehemalige Teammanager Christian Beeck hatte an Verhandlungen mit potenziellen Neuzugängen zuletzt gar nicht mehr teilgenommen.

In Nico Schäfer hat Unions Präsident Zingler nun einen Mann installiert, der Neuhaus freie Hand gewähren wird. Neuhaus und Schäfer haben eine gemeinsame Vergangenheit und kennen sich aus ihrer Zeit bei Rot-Weiss Essen. Schäfer war damals Geschäftsführer und Vorstandsmitglied, Neuhaus Trainer. „Sehr, sehr angenehm“ sei diese Zusammenarbeit gewesen, sagt Schäfer.

Neben seiner Tätigkeit in Essen war der 42-Jährige im Vorstand des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) tätig, jetzt soll Union von seinen Kontakten zu Politik und Wirtschaft profitieren. „Wir haben das Ziel, unseren Etat in der kommenden Saison zu erhöhen“, sagt Dirk Zingler. Neue Sponsoren sollen dabei helfen, dass sich Union in der Zweiten Liga etabliert. Das Geld soll in neue, nicht immer nur ablösefreie Spieler investiert werden. Hinzu kommt der Bau einer neuen Haupttribüne, die Zingler schon länger plant. Im zweistelligen Millionenbereich soll sich der Preis dafür bewegen. „Es kann uns auf Dauer nicht genügen, drei oder vier Mannschaften hinter uns zu lassen. Die Mannschaft muss sich ebenfalls entwickeln“, sagt Zingler. „Dafür müssen wir die Strukturen schaffen.“ Das Wort Bundesliga wurde von Unions Präsidenten bewusst vermieden, Union soll auch in Zukunft „langsam wachsen“.

Für alles andere braucht Nico Schäfer wohl auch wieder himmlischen Bestand.

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