NACHGEFRAGT BEI TONI KROOS : „Hört sich nicht nur blöd an – ist es auch“

Herr Kroos, können Sie uns diesen Fußballabend mal bitte erklären?

Tja, was soll ich sagen? Wir haben es ja alle gesehen: 60 Minuten waren fantastisch, danach hat jeder von uns einen, eher zwei Schritte weniger gemacht. Das wird nicht immer so bestraft, aber die Schweden sind eine Mannschaft, die nicht aufgibt, und so haben sie gezeigt, wohin es führen kann, wenn die andere Mannschaft weniger gibt.

Aber das nach einem Viertore-Vorsprung! Gab es da nicht mal einen Moment zwischendrin, wo die Mannschaft wieder hätte umschalten können nach dem Motto: So, jetzt haben sie zwei gemacht, nun wollen wir uns mal wieder besinnen?

Wir konnten es nicht. Normalerweise müssen wir in der Lage sein, nach einem 1:4 oder 2:4 wieder mehr Sicherheit ins Spiel zu kriegen, aber wir haben es nicht hinbekommen.

Beim Stand von 4:0 hatte man den Eindruck, die Schweden würden sich nur noch den Ball zuspielen, um nicht noch mehr Tore zu kassieren.

Natürlich war irgendwo das Gefühl bei uns da, dass das Spiel entschieden ist. Dass wir bis dahin toll gespielt haben, das wussten wir doch. Das ist ja auch alles schön und gut. Das Problem ist, dass man in diesem Gefühl dann anfängt, weniger zu machen. Dieses Zufriedensein oder das Gefühl, prima gespielt zu haben, kann man ja im Kopf haben, aber man darf dann nicht nachlassen. Dann kriegen wir das 1:4 und 2:4 – natürlich auch Tore, die vielleicht nicht immer passieren –, aber dann haben wir es als Mannschaft einfach nicht mehr hinbekommen, den Schalter wieder umzulegen. Wir haben dann keine Sicherheit mehr reinbekommen, das muss man ganz klar sagen.

Guckt man sich in einer solchen heiklen Phase auf dem Platz gegenseitig an und wartet auf ein Signal eines Spielers? Wieso bricht eine Mannschaft so zusammen, die vorher so sicher war?

Ja, die Sicherheit war anfangs da. Und dann war sie nicht mehr da. Hört sich nicht nur blöd an – ist es auch. Das darf uns eigentlich nicht passieren, weil wir Spieler haben, die genug Sicherheit mitbringen, die wieder Ruhe reinbringen können. Das haben wir nicht geschafft. Natürlich war dann auch jeder Schuss der Schweden ein Treffer. Wie gesagt, das wird ja nicht immer so bestraft. Wir könnten hier auch mit einem 4:2 stehen. Wobei, dann würde ich auch sagen, dass wir zu wenig gemacht haben.

War also der Doppelschlag der Knackpunkt, oder eher das 3:4?

Es gibt keinen Knackpunkt für so etwas. Ich denke, die Unsicherheit wurde immer größer, unverständlicherweise. Denn ein 1:4 oder 2:4 sind ja noch komfortable Spielstände. Aber für uns diesmal nicht.

Was macht man nun damit?

Puh, schwer zu sagen. Logisch ist, dass wir sehr enttäuscht sind, klar ist aber auch, dass wir das Spiel analysieren müssen. Wir könnten uns jetzt hinstellen und sagen: Wir können aus dem Spiel nach vorn viel mitnehmen – aber das bringt mir jetzt wenig. Zu denken gibt mir, dass so ein Bruch im Spiel ist, das darf eigentlich nicht passieren.

Aufgezeichnet von

Michael Rosentritt.

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