Sport : Nachgefragt: "Du triffst, oder du triffst nicht"

Herr Böhme[überwiegt Freude oder Erleic]

Jörg Böhme (27) ist die Entdeckung des Jahres. Vor der Saison wechselte er von Bielefeld zu Schalke für 1,5 Millionen Mark. Der gebürtige Thüringer wurde in die Nationalmannschaft berufen.

Herr Böhme, überwiegt Freude oder Erleichterung nach dem Pokalsieg?

Zunächst die Freude, den Pokal nach so langer Zeit endlich mal wieder nach Gelsenkirchen geholt zu haben. Aber wir sind auch erleichtert, dass wir nicht innerhalb einer Woche mit leeren Händen dastehen.

Sie sprechen das knappe Meisterschaftsfinale vor einer Woche an.

Klar, wir waren für vier Minuten Meister. Das kann uns keiner mehr nehmen. Meine erste Frage heute war, ob zeitgleich noch irgendwo ein anderes Spiel läuft."

Und?

Nein, nein. Der Pokal ist immer noch in unserer Kabine.

Sie haben beide Tore für Schalke 04 erzielt - das erste per Freistoß, das zweite vom Elfmeterpunkt. Sie treffen momentan alles, oder?

Ich glaube auch. In diesem Jahr läuft das ganz gut. Vor der Saison haben sie bei uns schon Wetten darüber abgeschlossen, wieviele Dinger übers Fangnetz gehen.

Wann entscheiden Sie eigentlich, in welche Ecke Sie einen Freistoß schießen?

Das passiert kurzfristig. Du musst ja erst einmal abwarten, wie der gegnerische Torwart seine Mauer stellt.

Denken Sie nicht: Mein Gott, was passiert, wenn ich den Ball vor 73 000 Zuschauern im Stadion und fast acht Millionen Menschen vor dem Fernsehern in die Wolken jage?

Es gibt im Fußball nur die zwei Sachen: entweder du trifft, oder du triffst nicht. Deswegen spiele ich so gern Fußball. Aber es ist ja nicht so, dass mir einer das Leben nimmt, wenn ich mal nicht treffe.

Vor weniger Tagen wurde Sie in die Nationalmannschaft berufen. Rechnen Sie sich Chancen auf einen Einsatz am Dienstag gegen die Slowakei aus?

Das haben andere zu entscheiden. Ich wäre wahnsinnig stolz, wenn ich zusammen mit meinem Mannschaftskollegen Gerald Asamoah auflaufen würde.

Sie sind 27 Jahre alt. Würden Sie sich als Spätstarter bezeichnen?

Es gibt Spieler, die brauchen etwas länger. Vor einem Jahr bin ich mit Bielefeld abgestiegen und dann nach Schalke gewechselt. Für mich war ganz wichtig, dass ich vollstes Vertrauen von Trainer Stevens genoss.

Waren Sie von der Leistung der Unioner überrascht?

Überrascht nicht. Schließlich haben sie den Aufstieg in die Zweite Liga geschafft. Und sie stehen im Uefa-Cup. Ich hoffe nur, dass für sie diesmal nichts dazwischen kommt. Da hat es in der Vergangenheit einige Probleme gegeben. Ich denke an 1968.

Union wurde damals Pokalsieger in der DDR und durfte international nicht starten.

Genau, wegen des Prager Frühlings. Ich habe mir davon erzählen lassen.

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