Sport : Nachlässige Ästheten

Argentinien qualifiziert sich durch ein 4:2 über Australien fürs Halbfinale

Robert Ide[Nürnberg]

Kurz vor Spielbeginn standen viele Zuschauer auf der Gegengeraden im Nürnberger Frankenstadion von ihren Plätzen auf. Sie hatten entdeckt, dass in der Mitte fast tausende Plätze freigeblieben sind, die im zweiten Gruppenspiel des Confed-Cups eine bessere Sicht versprachen. Viele freuten sich auf die Fußball-Ästheten aus Argentinien, die allerdings beim 4:2 (2:0) über Australien vor 25 000 Zuschauern nur zeitweise ihre Klasse zeigten. Durch diesen Erfolg qualifizierte sich das Team von José Pekerman vorzeitig für das Halbfinale. Am kommenden Dienstag spielt Argentinien nun gegen Deutschland um den Gruppensieg.

Bei einer Niederlage gegen Australien wäre für Argentinien sogar noch das Ausscheiden in der Vorrunde des Confed-Cups möglich gewesen. Doch eine derartige Erwägung steht für Argentiniens Helden nicht zur Debatte. Trainer José Pekerman hatte vielmehr vor dem Turnierstart deutlich gemacht, dass er erst im abschließenden Gruppenspiel gegen Deutschland mit seiner besten Formation auflaufen werde. Zuvor sei Zeit zum Üben, sagte er.

Vielleicht war das der Grund, warum sein Team gegen Australien verhalten begann. Die erste Chance besaßen jedenfalls die Australier, als Brett Emerton den Ball auf Josip Skoko legte und dessen Schuss abgefälscht über die Querlatte des argentinischen Tores flog. Doch damit endete bereits der Angriffsschwung der Australier, die gegen Deutschland noch drei Tore erzielt hatten.

Argentiniens Spieler zögerten und zögerten, doch nach zwölf Minuten ging plötzlich alles ganz schnell: Mittelfeldstar Riquelme bediente Santana, der den Ball sofort weiterleitete auf Luciano Figueroa, der den Ball zum 1:0 ins Tor schoss. Australiens Abwehrspieler benötigten einige Sekunden, um zu begreifen, was ihnen widerfahren war. Die überfallartige Kombinationsstärke der Südamerikaner hatte sie überrascht.

Nach diesem Geniestreich ließen es die Argentinier ruhiger angehen. Sie kontrollierten im Mittelfeld das Spiel, waren stets einen Schritt schneller am Ball. Dennoch kamen sie glücklich zu ihrem zweiten Treffer. Schiedsrichter Shamsul Maidin aus Singapur entschied auf Elfmeter, nachdem Australiens Verteidiger Lucas Neill seinen Gegenspieler Javier Saviola am Trikot etwas gehalten hatte. Ein Elfmeter, den man nicht unbedingt geben musste. Die Zuschauer im Frankenstadion, die in der Mehrzahl zum Außenseiter Australien hielt, verliehen ihrem Unmut durch Pfiffe Ausdruck. Riquelme ließ sich davon nicht beeindrucken und verwandelte den Strafstoß zum 2:0.

Nach der Pause riskierte der australische Trainer Frank Farina mehr und brachte in Mark Viduka einen weiteren Stürmer. Tatsächlich kamen die Australier besser ins Spiel und wünschten sich sogar einen Elfmeter, nachdem Viduka im Strafraum stürzte. Schiedsrichter Maidin verzichtete jedoch auf einen Pfiff. Wie schon in der ersten Halbzeit beantworteten die Argentinier Australiens erste Chance mit einem Treffer. Figueroas erzielte per Linksschuss das 3:0.

Doch auch die Australier haben einen guten Angreifer in ihren Reihen: John Aloisi. Per Foulelfmeter erzielte er das 1:3 und zwanzig Minuten vor dem Ende sogar das 2:3. Es war sein Treffer drei und vier im Confed-Cup. Aloisi profitierte bei seinem zweiten Treffer von einem katastrophalen Fehler des Abwehrspielers Gabriel Heinze, der ihm den Ball mit der Brust vorlegte. Das Tor stand sinnbildlich für das nachlässige Auftreten der Argentinier. Immerhin nutzte Figueroa das Spiel, um sich nachdrücklich für weitere Aufgaben zu qualifizieren. Um ganz sicher zu gehen, erzielte er kurz vor dem Abpfiff sogar sein drittes Tor.

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