Sport : Nachrichten

Benedikt Voigt[Peking]

DAS NATIONALSTADION

Das Vogelnest ernährt seit zwei Jahren diverse Kleinhändler auf einer Fußgängerbrücke über der nördlichen vierten Ringstraße. Mit tragbaren Druckern ausgerüstet, machen sie Sofortbilder von Touristen vor Pekings neuem Wahrzeichen – und verkaufen sie für 50 Cent. Teurer, nämlich 325 Millionen Euro, war das Stadion selbst, in dem am Freitag vor 91 000 Zuschauern die Olympischen Spiele eröffnet werden. Die Kosten hätten das Projekt beinahe noch gefährdet. 42 000 Tonnen Stahl hatten die beiden Architekten verbaut. Neben Eröffnungs- und Schlussfeier sowie der Leichtathletik finden hier Fußballspiele statt. Nach Olympia wird das Stadion vom Fußballklub Guoan FC genutzt werden.

REITANLAGE IN HONGKONG

Als sich Peking vor sieben Jahren um die Spiele bewarb, wollte das Organisationskomitee Bocog die Reiterwettbewerbe noch in Peking austragen lassen. Doch die strengen Quarantänebestimmungen für China machten das Vorhaben unmöglich – Hongkong sprang mit der Reitanlage in Sha Tin ein. Eigentlich ist diese bekannt für Pferderennen, doch der Hong Kong Jockey Club baute in kurzer Zeit eine Anlage für Springreiten, Dressur und Vielseitigkeitsreiten. Schwierigste Aufgabe war es, den Tieren die klimatischen Bedingungen mit Temperaturen über 30 Grad und einer hohen Luftfeuchtigkeit zu erleichtern. Klimatisierte Pferdeställe und eine klimatisierte Einreithalle helfen dabei. Ein Luxus, der seinen Preis hat: 97 Millionen Euro.

NATIONALES SCHWIMMSTADION

Die Haut des Wasserwürfels ist in Deutschland gut bekannt. Ähnlich der Hülle der Allianz-Arena in München wird auch das Nationale Schwimmstadion von einer leuchtenden Membran umhüllt. In der Nacht leuchtet der Würfel dunkelblau und bildet mit dem Vogelneststadion, das rot leuchtet, ein spektakuläres Duo. Die beiden symbolisieren damit Yin und Yang, Feuer und Wasser. Die Seifenblasenhaut lässt Licht und Hitze in das Gebäude und hilft dadurch, die fünf Pools zu heizen und die Energiekosten um 30 Prozent zu senken. Bei den Spielen werden hier Schwimmen, Wasserspringen und das Synchronschwimmen stattfinden. Und die Pekinger dürfen sich freuen, dass der Würfel nach den Spielen zu einem Spaßbad umgebaut wird.

SHUNYI RUDER- UND KANUSTRECKE

Die Kanuten, Ruderer und Langstreckenschwimmer dürften ihre olympische Wettkampfstätte bereits aus der Luft kennen. Der Shunyi Ruder- und Kanu-Park, in dem insgesamt 32 Medaillen vergeben werden, liegt im Nordosten Pekings, nahe des Flughafens. Mit einer Baufläche von 31 850 Quadratmetern ist er die größte aller olympischen Sportstätten. Für Olympische Spiele ungewöhnlich ist, dass Shunyi neben der Ruder- und Kanustrecke auch die Wildwasserstrecke für den Kanuslalom beherbergt. Die besteht aus einem 2272 Meter langen Kurs mit einer Wassertiefe von 3,5 Metern. Nach den Spielen wird das Gelände in das größte Wassersport- und Freizeitgelände im Nordosten Pekings umgewandelt.

SCHIESSSTADION

Die Schützen haben es in Peking nicht einfach. Da die olympische Schießanlage am fünften Ring im Westen der Stadt liegt, müssen sie sich täglich 23,4 Kilometer vom olympischen Dorf aus durch den berüchtigten Pekinger Verkehr quälen. Ihre Anlage sieht aus der Luft gesehen wie ein Jagdbogen aus. Er soll an die Ursprünge des Schießens bei der Jagd erinnern. Diese Idee haben die Olympiaorganisatoren auch bei anderen Stätten umgesetzt: Das Radstadion ähnelt von oben gesehen einem Rad, auf dem Tischtennisstadion liegt ein überdimensionaler Pingpongball. Die Schützenhalle bietet 12 955 Zuschauern Platz. Dort wird die erste Goldmedaille der Spiele vergeben. Es könnte die erste sein, die ein Chinese gewinnt.

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