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„Fuori, fuori, fuori!“ Die Rufe steigern sich von Sekunde zu Sekunde: „Raus! Raus! Raus!“ Warum kriegt Zidane keine Rote Karte, als er seinen italienischen Gegner mit einem Kopfstoß vor die Brust zu Fall gebracht hat? Warum braucht der Schiedsrichter so lange? „Buffone! Buffone! Hanswurst! Hanswurst!“ Dann der befreite Applaus: Zidane, die größte Gefahr für Italiens Team, verlässt den Platz. Ein gutes Omen? Jawohl, am Ende liegt Italien vorn und feiert den Triumph.

Die Reaktionen in Rom haben so fulminant begonnen wie das Spiel selbst: Zidanes Elfmeter in der sechsten Minute. Eine Nervenprobe. Jubel. Buffon war dazwischen. Zeitlupe. Nein, doch nicht, Tor. Und schlimmer: Zidane hat sich etwas angemaßt: Er hat Buffon verladen. „Löffel“ heißt diese Figur auf italienisch, und sie ist das Markenzeichen des Francesco Totti. Keiner löffelt so gut wie er. Und jetzt Zidane: „Figlio di Puttana!“ schreien sie in Richtung Bildschirm: „Hurensohn!“

Den Circus Maximus haben sie wieder zum Stadion gemacht. Aber diesmal flimmern drei Großbildschirme statt einem wie beim Halbfinale; und die größte Leinwand der Stadt steht, von aufsteigenden Lichterreihen flankiert, wie ein Altarbild über der gewaltigen Bühne, auf der sie heute, am Montagabend, die Sieger ehren wollen. 180 000 Zuschauer passten schon zu Zeiten der alten Römer in diese Arena, und diesmal ist sie voll wie einst in ihren besten Zeiten.

Es sind alle da: Italiener und Touristen. Deutsche Familien und japanische Jugendliche, die italienische Nationalfahne in der einen Hand schwenkend wie ein Samurai-Schwert, in der anderen die 1,5-Liter-Flasche eines weiter nicht nennenswerten Rotweins.

Ist der Circus Maximus die Großarena, dann ist die schiffsförmige Tiberinsel ein paar Schritte daneben so etwas wie das Wohnzimmer Roms. Hier sitzen sie auf sonnengewärmten Steinplatten, recken die Hälse, weil auch die Bildschirme Wohnzimmerformat haben. Die Brückenruine ist romantisch angestrahlt, der Tiber rauscht, sein muffiger Spülwassergeruch mischt sich mit den Pizzadüften, die aus Hunderten flachen Kartons aufsteigen. Und der Ton kommt aus zwei verschiedenen Lautsprechern, mit ein paar Sekunden Zeitunterschied vom einen zum anderen. Akustisches Chaos. Aber darauf kommt es nicht an.

Der Tag hatte still angefangen, aber er endet mit einem Trubel, der alles übertrifft. Tausende von Mopeds und Autos fuhren durch die Stadt. Jeder Huper ist ein Triumphsignal für den seit langem wieder ersehnten Titel.

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