Nachruf auf Boxer Peter Hussing : Auf nahbare Weise

Am Freitag, den 14. September, wurde der Uwe Seeler des Boxens, Peter Hussing, beigesetzt. Bei den Olympischen Spielen in München verlor er gegen die kubanische Legende Teofilo Stevenson. Doch beim Publikum war er aufgrund seiner Bodenständigkeit außerordentlich beliebt.

Bertram Job
In memoriam: Peter Hussing wurde 16 Mal Deutscher Meister. Zweimal scheiterte er an Kubas Boxikone Stevenson. Hussing verstarb 64-Jährig. Heute wird er beerdigt. Foto: dpa
In memoriam: Peter Hussing wurde 16 Mal Deutscher Meister. Zweimal scheiterte er an Kubas Boxikone Stevenson. Hussing verstarb...Foto: picture-alliance / Sven Simon

Den größten Kampf in seiner denkwürdigen Karriere hat er verloren. Zwei einseitige Runden, zwei desaströse Niederschläge – da wurde Peter Hussing völlig zu Recht aus dem olympischen Halbfinale in München genommen. Kubas Boxikone Teofilo Stevenson war 1972 mindestens eine Nummer zu groß für den studierten Architekten aus dem Westerwald. Immerhin aber nahm er damals eine von zwei westdeutschen Boxmedaillen mit, und unter dem allerhöchsten Level konnte der technisch versierte Rechtsausleger gut mithalten, wie ein EM-Titel 1979, WM-Bronze 1982 und insgesamt 16 deutsche Meisterschaften belegen. Was ihn nach 439 Vergleichen aber in erster Linie heraushob, war seine konstante Weigerung, etwas Herausgehobenes zu sein.

„Bodenständig“ ist ein abgenutztes Wort für manche Sportler, zu denen den Auguren später nicht mehr viel einfällt. Der beliebteste bundesdeutsche Faustkämpfer der siebziger Jahre aber wusste diese Eigenschaft mit echtem Leben zu füllen. Wenn Stevenson der ungekrönte König von Kuba war, wurde „unser Peter“, wie sie ihn riefen, zu einer Zierde seiner Region. Da unten in Brachbach, Kreis Altenkirchen, hat er lieber den soliden Bauleiter gegeben statt sich aufs unberechenbare Profigeschäft einzulassen. Das war auch der Rat, den ihm der weitgereiste Matchmaker Jean-Marcel Nartz seinerzeit gegeben hatte. „Für die Profis war er im Grunde viel zu gutmütig“, ist Nartz bis heute überzeugt.

Daneben mischte sich Hussing ab 1988 auch in die Ratspolitik seiner Heimatgemeinde ein – bis er ab 2008 sogar als Bürgermeister fungierte. Es war ein besonderes Jahr, weil er zeitgleich mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde: Höchste Anerkennung seines Engagements für die Kinderkrebshilfe und einem Radkriterium zu ihren Gunsten, der „Tour der Hoffnung“. An solchen Tagen konnte man den Routinier, der auch kein unbegabter Fußballer war, aufs Rennrad steigen sehen. Ein kleiner großer Volkstribun, der auf nahbare Weise selbstbewusst und jovial erschien; ein Anti-Star wie Uwe Seeler.

Zweimal noch hatte Hussing bei Olympischen Spielen versucht, erneut auf dem Treppchen zu stehen. Es gelang weder 1976 in Montreal noch 1984 in Los Angeles, wo er mit 36 Jahren und 114 Kilo ältester wie schwerster Bewerber des Turniers war – und nach dem verlorenen Viertelfinale eingestand, „von mir selbst enttäuscht“ zu sein. Dennoch hätte sich der 1,98 Meter große Hüne auf allen telegen inszenierten Boxgalas als Ehrengast feiern lassen können – nur stand ihm selten der Sinn danach, den wiederholten Einladungen nachzukommen.

Peter Hussing hat ganz gerne in der Gegenwart gelebt, aus der er vergangenen Samstag, mit nur 64 Jahren, verschwunden ist. Knapp drei Monate nach dem Tod seines übermächtigen Kontrahenten Teofilo Stevenson erlag der dreifache Olympiateilnehmer zu Hause in Brachbach einem Krebsleiden. Er wird am Freitag auf dem Neuen Friedhof seines Heimatorts beigesetzt.

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