Sport : Nachruf auf glorreiche Zeiten

Oliver Trust

Sich selbst Mut zu machen, das gehört in Notzeiten im Fußball zum Erste-Hilfe-Programm aller Manager. Obwohl sie in Freiburg gerne davon reden, sie seinen anders als die meisten, stand Andreas Rettig nach dem 0:3 am Betzenberg da, grinste gequält und sagte: "Es gibt einige, die gerne da wären, wo wir sind." Von Krise wollte sechs Tage vor dem Uefa-Cup-Rückspiel gegen Feyenoord Rotterdam keiner reden, nicht Rettig, nicht Trainer Volker Finke, nicht die Spieler. Dabei war es die fünfte Niederlage in Folge für die Freiburger. Diesmal beim 1. FC Kaiserslautern, den sie zuvor vier Jahre in Folge im Fritz-Walter-Stadion geschlagen hatten. "Heute", sagte Mario Basler, "haben wir gezeigt, was Freiburg immer für sich in Anspruch nimmt - schönen Fußball." Basler war einer der besten Pfälzer. Zum Thema Bundesliga aktuell: Ergebnisse und Tabellen
Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Nicht flanierender Spaziergänger, kein Großmaul, sondern treibende Kraft auf dem Flügel. Sogar in der Abwehr warf sich Basler mit seinem schütteren Haar in die Kopfballduelle. Die meisten Flanken kamen von ihm, er gewann seine Zweikämpfe und spielte - wie vor dem 2:0 durch Hany Ramzy in der 47. Minute - zusammen mit Lincoln und Ratinho mit den überforderten Badenern Katz und Maus. "Die können froh sein, dass sie nicht noch mehr gekriegt haben." Selten hat man ihn so laufen sehen wie gestern.

"Wir wissen woran es liegt", sagte Rettig. "Es ist nicht so, dass da eine Blackbox liegt, die wir erst auswerten müssen." In der Tabelle geht es abwärts, immer weiter abwärts. "Die personelle Situation", sagt Rettig. Mit Konde, Diarra und Schumann fehlen gleich drei Innenverteidiger. "Wir werden das Überleben", sagte Finke, als befürchte er erste Nachrufe auf eine glanzvolle Mannschaft, die von vergangenem Ruhm lebt. Besonders optimistisch hören sich die Analysen nicht an. Von "durchlügen bis Weihnachten" ist da die Rede. Vom "retten in die Winterpause". Dann sehe alles wieder besser aus. "Immerhin", sagte Rettig, "haben die anderen heute für uns gespielt." Ein schwacher Trost. Kein Funke von Breisgau-Brasilianern. Auf dem Platz eine Mannschaft, die nicht kämpfte und ihre erste Chance in einem Freistoß nach 75 Minuten hatte.

Für die Gastgeber traf außer Ramzy zweimal Miroslav Klose. Kaiserslautern hat sich "mit einem befreienden Gefühl" (Trainer Brehme) in der Spitzengruppe festgesetzt. Brehme lächelte, nicht so gequält wie Rettig, sondern eher so zufrieden wie auf dem Plakat, mit dem der FCK dafür wirbt, 2006 WM-Spielort zu werden. Nächsten Mittwoch wird der Klub die Bewerbung beim DFB einreichen. An diesem Tag werden die Freiburger noch einmal ihre Spieler zählen und hoffen, dass es am Donnerstag gegen Rotterdam nicht wieder drei Gegentore gibt. "Wir müssen da durch", sagte Andreas Rettig - und lächelte gequält.

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