Nachruf : Zoltan Varga: Das Leben ein Spiel

Nie zuvor und nie danach hat eine so widersprüchliche Figur bei Hertha gespielt wie Zoltan Varga. Tricksen, Tore schießen, Regie führen – der Ungar konnte alles. Jetzt starb Varga auf dem Fußballplatz. Ein Nachruf.

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Foto: dpaMTI

Berlin - Nie zuvor und nie danach hat eine so widersprüchliche Figur bei Hertha gespielt wie Zoltan Varga. Tricksen, Tore schießen, Regie führen – der Ungar konnte alles. Für Varga war das Leben ein Spiel, mit großartigen Momenten wie dem Olympiasieg 1964 in Tokio, mit hohem Risiko wie der Flucht vier Jahre später bei den Spielen von Mexiko. Wolfgang Holst schmuggelte ihn im Kofferraum über die deutsch-belgische Grenze.

Varga war nicht nur auf dem Rasen eine Spielernatur. Sein Name ist verbunden mit Herthas Verstrickung in den Bundesligaskandal. Das war im Juni 1972, als es für Hertha gegen Bielefeld um nichts mehr ging. Als es zur Halbzeit 0:0 stand, riefen die ersten Zuschauer: „Schiebung, Schiebung!“ Varga lief nicht in die Kabine, sondern in den Presseraum im Oberring des Olympiastadions. Der „Spiegel“ hat jenes Telefonat rekonstruiert, das Varga mit seiner Frau führte: „Ist das Geld da?“ – „Nein.“ – „Diese Schweine, sie wollen ohne uns Ausländer kassieren. Aber denen mache ich die Sache kaputt!“ Der zuvor träge Varga spielte wie aufgezogen, traf die Latte des Bielefelder Tores, und es sah so aus, als werde er von seinen Kollegen geschnitten. Hertha verlor 0:1, und später erfuhren die Fans, dass Bielefeld Geld dafür geboten hatte, dass Varga und seine Kollegen schlecht spielen.

Ein paar Monate später hatte ihn Hertha beim 3:0 im Pokalspiel gegen Schalke aufgeboten, obwohl Varga wegen der Affäre Bielefeld mit einer Vorsperre belegt war. Schalke legte erfolgreich Protest ein und wurde später Pokalsieger. Varga zog weiter nach Aberdeen, Amsterdam, Dortmund, Augsburg und Gent. Am Freitag brach er in der Pause eines Seniorenspiels in Budapest zusammen. Zoltan Varga wurde 65 Jahre alt.Sven Goldmann

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