Sport : Nachschlag beim Promi-Wirt

In Suzuka geraten Michael und Ralf Schumacher aneinander – ein Bruderkrieg ist das nicht

Frank bachner,Karin Sturm

Von Frank bachner

Und Karin Sturm

Suzuka. Natürlich gratulierte Ralf Schumacher seinem Bruder Michael in Suzuka artig zum Titel. Es war ja zudem ein historischer Triumph. Zum sechsten Mal wurde Michael Schumacher, trotz Platz acht, Formel-1-Weltmeister, sein Bruder im BMW-Williams landete nur auf Platz zwölf. Auf der Strecke hatten beide auch schon engen Kontakt, sehr engen. Ihre Fahrzeuge touchierten, beide Autos rutschten in die Wiese, und Ralf Schumacher fuhr dann mit kaputtem Frontflügel zur Box.

Später trafen sich die Brüder dann wieder bei der Formel-1-Party von Promi-Wirt Karl-Heinz Zimmermann, und dann wurde es offenbar besonders interessant. Denn ein Ohrenzeuge versichert, folgenden Dialog so oder zumindest so ähnlich gehört zu haben. Ralf Schumacher: „Hey, was sollte das? Du machst Mist und schmeißt mich dabei noch fast mit raus?“ – Michael Schumacher: „Ich hab mich halt hinter da Matta ein bisschen verbremst. Ich musste ausweichen, um ihm nicht draufzuknallen.“ – „Und dabei bist du mir voll vors Auto gefahren. Du musst doch im Spiegel gesehen haben, dass ich direkt hinter dir war.“ – „Ich schaue immer noch nach vorn und nicht nach hinten.“ – „Ich schlage vor, nächstes Jahr sollten wir an den Frontflügeln kleine Messer montieren, damit der andere zumindest einen Reifenschaden hat. Und als ich dich überholen wollte, hast du mich bei vollem Speed zur Boxenmauer gedrückt!“ – „Du hättest ja auf die Bremse steigen können!“

Willkommen bei der Rennfahrer-Familie Schumacher. War er das mal wieder, der große Bruderkrieg, von dem die Boulevardzeitungen doch immer schreiben? Großer erfolgreicher Bruder gegen kleinen, neidischen Bruder? Hörte sich fast so an.

Ist aber nicht so. Es gibt es keinen Bruderkrieg. Es hat ihn, in der Formel 1 jedenfalls, nie gegeben. Es gab immer einen Konkurrenzkampf, das schon, aber nie einen Aufstand gegen die blutsverwandte Übergröße. Ralf und Michael Schumacher sind am Steuer Egoisten bis zur sportlichen Schmerzgrenze, das müssen sie sein, sonst wären sie nicht so weit oben in der Rennsport-Branche. Michael Schumacher sagt: „Ich genieße den Kampf mit ihm, weil es mir Spaß macht, gegen ihn zu gewinnen, genauso wie es ihm Spaß macht, gegen mich zu gewinnen.“

Aber der andere ist immer mehr Bruder als Rivale. Nachdem Ralf Schumacher vor zwei Jahren in Kanada vor seinem Bruder durchs Ziel gerast war, ging der Weltmeister auf den sechs Jahre Jüngeren zu, gratulierte ihm zum Sieg und fuhr ihm mit dem Finger übers Kinn. Eine Geste, die er keinem anderen gönnen würde. Andererseits sagt Ralf Schumacher über die Erfolge des Bruders: „Auch wenn das jetzt komisch klingt: Das ist etwas, worauf ich stolz bin. Michael hat sehr, sehr viel erreicht, und ich gönne ihm das einfach.“ Dem Jüngeren kommen solche Sätze jetzt souverän über die Lippen. Er hat sich längst aus der Rolle des ungelenken „Rolex-Ralf“ gelöst, der mit geröteten Wangen den Schumi 1b gab und auch geben musste, weil ihn alle in dieser Rolle sahen. Ralf Schumacher ist seit sechs Jahren in der Formel 1, er hat sich längst emanzipiert. Und wenn Michael Schumacher etwas Lobendes über den Nachgeborenen sagt, klingt das schon lange nicht mehr so, als müsste da einer auch noch beschützt werden. Von seinem großen Bruder.

Ralf Schumacher attackiert seinen Bruder schon lange genauso aggressiv wie jeden anderen Gegner. Ein Profi halt, der nicht zurückstecken will. Aber er ist keiner wie sein Teamkollege Juan Pablo Montoya, der fast blindwütig angreift und dann oft genug neben der Strecke liegen bleibt.

Im Übrigen ist die Stimmung bei der Formel-1-Party ja schnell umgeschlagen. Exzessives Feiern war nun das Motto, und als dann Tische, Stühle und andere Dinge flogen, da waren, versichert ein Augenzeuge, Michael und Ralf Schumacher brüderlich vereint heftig am Werk. Eine nette Familie halt.

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