Sport : Nachsitzen bei Aleksandar Ristic

Unions neuer Trainer übt verhalten Kritik am Vorgänger

Karsten Doneck

Berlin. Kritik an seinem Vorgänger zu üben, das käme ihm nicht in den Sinn, sagt Aleksandar Ristic: „Das war gestern, jetzt ist eine andere Zeit.“ Da existiert unter den Fußballlehrern schließlich auch eine Art Ehrenkodex. Keiner macht den anderen madig, von seltenen Ausnahmefällen einmal abgesehen. Doch wenn Ristic, der neue Trainer des Fußball-Zweitligisten 1. FC Union, dann in seiner launigen Art anfängt, über Fußball zu plaudern, rutschen ihm immer wieder Äußerungen heraus, die vermuten lassen, dass er an der Arbeit seines Vorgängers Mirko Votava manches auszusetzen hat. „Ich muss viel nachholen“, sagte Ristic zum Beispiel vor dem Spiel seiner abstiegsbedrohten Mannschaft heute bei der aufstiegswilligen Arminia aus Bielefeld.

Hinter solcher Aussage verbirgt sich ziemlich unverhohlen die Klage über Versäumnisse in der Vergangenheit. Und derlei Versäumnisse können nur Mirko Votava angelastet werden. Ristic geht noch einen Schritt weiter. „Ich bin in einer Situation reingekommen, wo dies und das nicht klappte“, sagt er. Welche Mängel er im Einzelnen vorgefunden hat, das verschweigt er der Öffentlichkeit lieber, darüber spricht er nur hinter verschlossener Kabinentür mit der Mannschaft. Und sicherheitshalber weist Aleksandar Ristic auch schon einmal auf die Verantwortlichkeiten hin. „Ich muss mich nicht rechtfertigen für die gesamte Situation. Ich muss mich nur rechtfertigen für ein Spiel.“ Dieses eine Spiel, Ristics Premiere bei Union, ging daheim 1:3 gegen Eintracht Trier verloren.

Was Ristic gegenüber seinem Vorgänger ändern wird? Zum Beispiel die Raumaufteilung auf dem Feld. Ristic doziert: „Ein Spieler, der 80 Meter laufen muss, braucht danach zwei Minuten zur Regeneration. Wer aber nur 15 Meter läuft, der erholt sich schneller wieder.“ Weniger laufen und trotzdem effektiver sein – ob das schon gegen Bielefeld klappt?

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