Sport : Nachsitzen für den Meister

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Lorenz Maroldt über Stimmungstöter beim Basketball

Liebe Basketballfreundin, lieber Basketballfreund, verehrte Faninnen und Fans, heute wollen wir uns mit einigen Randerscheinungen und Phänomenen Ihres Freizeitvergnügens am Beispiel des Vereins Alba Berlin im Zusammenhang mit dem zweiten Finalspiel um die Deutsche Meisterschaft in der Max-Schmeling-Halle gegen den Retortenverein Rhein Energy Cologne befassen. Wir sprechen hier nicht über die Seltsamkeit, dass die Anhänger der Berliner Korbleger und -stopfer immer wieder den n einer Entsorgungsfirma skandieren; selbst in der Fußball-Bundesliga ist ja der Name des Herstellers von Kopfschmerzpillen zum Schlachtruf verkommen und, mal ehrlich: es ist immer noch besser, ein heimisches Unternehmen anzufeuern als eine halbstaatliche Aktienvernichtungsgesellschaft, die zur Tarnung Telefonleitungen legt (schöne Grüße an die Baskets nach Bonn).

Kommen wir zu Sache, sprechen wir über die Justiz, genauer: über deren Abwesenheit. Schon beim Pokalendspiel gegen die (höhö) Opel Skyliners aus Frankfurt (wer mag schon den Namen einer Automobilfirma rufen?) wurde offiziell ein nationales Symbol, hier: die Hymne, verunglimpft; am Mittwochabend schon wieder und abermals schlimmer. Das Lied der Deutschen, um das klarzustellen, darf gerne zu wichtigen Anlässen gesungen werden, zur Not auch von einzelnen Damen am Saalmikrofon ohne Begleitung. Aber nie darf es gejodelt werden. Eigentlich ein Fall für den Staatsanwalt, der aber offenbar keine Eintrittskarte hatte.

Kommen wir zur Hauptsache: dem Hallensprecher. Alles tobt und schreit und rasselt, alles springt auf, wie es sich gehört, und sogar die paar Dutzend mitgereisten Kölner, ohnehin geschlagen, machen mit. Da bittet der Mikromann um – Disziplin! Hinsetzen sollen sich die Kölner, da sie Sitzplatzkarten haben. Allerdings, man hätte es dem Sprecher sagen sollen, nicht für die Oper. Der Kölner an sich, man weiß es ja, ist ein fröhlicher Mensch, vor allem dann, wenn er keinen Grund dazu hat. Der Berliner dagegen neigt zur traurigen Gestalt, besonders, wenn er sich freuen könnte. Auf dem Weg zum wahren Meister muss Alba wohl noch ein bisschen nachsitzen, oder besser: nachstehen.

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