Sport : Nachspiel: Addos Salut (Kommentar)

Benedikt Voigt

Wahrscheinlich gibt es eine Disziplinarstrafe für Otto Addo. Vielleicht muss auch Evanilson büßen, denn der Brasilianer hat sich von seinem Dortmunder Stürmerkollegen anstecken lassen. Beide haben beim 3:2-Erfolg in Hamburg einen Fehler begannen, den Trainer Matthias Sammer sicherlich nicht durchgehen lassen wird. Sie haben den Fußballfreunden verraten, mit welchen Mitteln Übungsleiter Sammer gegenwärtig den Abstiegskandidaten der vergangenen Spielzeit auf einen Spitzenplatz in der Bundesliga hievt.

Es passierte in der 31. Minute. Otto Addo hatte die Führung für Dortmund erzielt, da ging es mit ihm durch - wohl aus Freude über seinen Treffer. Addo salutierte vor Evanilson. Daraufhin führte auch der Brasilianer seine rechte Hand an die Stirn und salutierte zurück. Der Dialog zwischen den beiden lässt sich nur erahnen. "Kamerad Evanilson", dürfte Addo gesagt haben, "melde gehorsamst: Tor ist erzielt." Und Evanilson antwortete: "Ay, ay, Sir."

Das also ist Sammers Erfolgsgeheimnis. Er führte bei seiner Fußballmannschaft militärische Strukturen ein. Bisher galten Felix Magath aus Frankfurt und Eduard Geyer aus Cottbus als die härtesten Trainer der Liga, aber Matthias Sammer übertrifft sie alle. Wahrscheinlich ging es in der Kabine vor dem Spiel beim Hamburger SV wie folgt zu. Oberst Sammer brüllt durch die Kabine: "Der Tagesbefehl lautet: drei Punkte." Dann wandte sich der Befehlshaber an den Gefreiten Addo und erteilte ihm einen Sonderauftrag. "Kamerad, Sie spurten hinter die feindlichen Abwehrlinien und schießen ein Tor." Die Folgen des Auftrages sind bekannt. Dass Addo im Überschwang der Gefühle die neuen Sitten in Dortmund öffentlich macht, hatte Sammer allerdings nicht angeordnet. Dieses Verfehlen dürfte nach militärischer Sitte streng bestraft werden. So fällt für Addo der nächste Kameradschaftsabend aus. Mindestens.

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