Sport : Nachspiel: Das rheinische Derby

Stefan Hermanns

Der Kampf um die fußballerische Vorherrschaft am Rhein ist auch nicht mehr das, was er mal war, als in der Bundesrepublik Deutschland noch Helmut Schmidt regierte. Nehmen wir nur das Jahr 1979. Drei große Vereine bestimmten die Szenerie: Der 1. FC Köln, der im Europapokal der Landesmeister erst im Halbfinale dem späteren Sieger Nottingham Forest unterlag; Fortuna Düsseldorf, im Endspiel um den Pokalsiegerwettbewerb unglücklicher Verlierer gegen Barcelona; und natürlich die Borussen aus Mönchengladbach, die mit Berti Vogts, heute Leverkusen, und Ewald Lienen, heute Köln, zum zweiten Mal den Uefa-Cup gewannen. Von Bayer Leverkusen, 1979 Bundesliganeuling, hat damals niemand geredet.

Heute ist der FC als Aufsteiger schon zufrieden, wenn er nicht wieder absteigen muss, Gladbach ist Zweitligist, die Fortuna kämpft gegen den Absturz in die Oberliga. Nicht von ungefähr halten sich die Leverkusener daher für die auf ewig uneinholbare Nummer eins am Rhein. Der deutliche 4:1-Sieg am Sonnabend im so genannten rheinischen Derby gegen den FC bestätigt sie nun leider in ihrem großspurigen Gehabe.

Ausgerechnet die beiden früheren Kölner Helden und heutigen Leverkusener Trainergehilfen Pierre Littbarski und Toni Schumacher (Foto) haben vor dem Derby die größten Töne gespuckt: Der FC könne gegen Bayer nur gewinnen, wenn "Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen", hat Littbarski gesagt. Ohne den FC wäre der kleine Litti heute vermutlich ein ziemlicher Niemand. Schumacher hingegen findet, der FC "hat uns viel zu verdanken".

Für Leverkusen ist ein Sieg gegen Köln immer noch wichtiger als umgekehrt. Die Niederlage wird die FC-Fans nicht in ihrer Ansicht beirren, dass der Verein aus der Retortenstadt den Rhein abwärts kein Konkurrent für sie ist. Da kann Bayer noch so viele eigene Karnevalssitzungen feiern, gerne auch in Köln. (Vermutlich, weil in Leverkusen keine rechte Stimmung aufkommen will.) Einen Mythos kann man nun mal nicht kaufen. - Nur kaufen kann man sich für einen Mythos leider auch nichts.

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