• Nachspiel: Die Statistiker haben nun auch das Pokalfinale abgehakt. Wir aber müssen auch an diesem Montag auf etwas zurückkommen:

Sport : Nachspiel: Die Statistiker haben nun auch das Pokalfinale abgehakt. Wir aber müssen auch an diesem Montag auf etwas zurückkommen:

Markus Hesselmann

Es war später Pokalabend. Die Wangen der mindestens königsblauen Schalker glänzten schon Union-Rot, als sich Gerhard Mayer-Vorfelder anschickte, einen Fehler zu korrigieren. Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes erschien bei der Schalker Siegesfeier im Hotel Steigenberger. Ganz so wohl wird er sich dabei nicht gefühlt haben, denn Stunden zuvor war er noch einmal als Bayern-Begünstiger kritisiert worden - erst von den 40 000 Schalker Fans im Olympiastadion ("Vorfelder raus"), dann von Schalkes Torwart Oliver Reck ("Er hat einen Fehler gemacht, darüber müssen wir reden") und schließlich auch noch von Aufsichtsratschef Jürgen Möllemann ("Wir haben gewonnen, obwohl Mayer-Vorfelder und Schröder gegen uns sind"). Der Zorn hatte sich an Mayer-Vorfelders Auftritt vom Wochenende zuvor entzündet, als er allzu begeistert mit dem FC Bayern München die knappe Meisterschaftsentscheidung zu Lasten der Schalker gefeiert hatte. Manager Rudi Assauer hatte den eigentlich zur Neutralität verpflichteten DFB-Chef deshalb scharf angegriffen.

Nun aber stehen Assauer und Mayer-Vorfelder vereint am Mikrofon. Schalkes Manager nimmt Mayer-Vorfelder zärtlich in den Schwitzkasten und bohrt in der Wunde. "Du hättest mir gestern schon sagen können, dass du einen Fehler gemacht hast und um Entschuldigung bittest. Die Chance hast du verpasst." Doch Mayer-Vorfelder bekommt in dieser Nacht eine zweite Chance. Als Buße soll er das Schalker Vereinslied mitsingen: "Blau und Weiß, wie lieb ich dich."

Der DFB-Chef hat das Friedensangebot schon fast angenommen, als die Edelfans und Sponsoren im Saal plötzlich eine andere Hymne anstimmen, "Zieht den Bayern die Lederhosen aus" und die derbere, schon vom frühen Abend aus dem Olympiastadion bekannte Variation zur selben Melodie, in der es sinngemäß darum geht, den Münchnern die Meisterschale doch bitteschön irgendwo hineinzuschieben. Pfui. Da erinnert sich Mayer-Vorfelder doch wieder ans Neutralitätsgebot und möchte nicht einstimmen. Sein Gesang hebt erst an, als doch noch das Vereinslied erklingt. Prüfung bestanden. Nur wie bringt er das jetzt den Dortmundern bei?

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