Sport : Nachspiel: Ein Triumph des Klüngels

Es gibt kluge Leute, die behaupten, dass zwischen dem Zustand des deutschen Fußballs und dem gesellschaftlichen und politischen Zustand unseres Landes ein enger Zusammenhang bestehe. Dass also Sepp Herberger der fußballerische Sachwalter der Ära Adenauer war. Dass Günter Netzer und die Gladbacher Fohlen mit ihrem "Mehr Fußball wagen" den Aufbruch unter Willy Brandt quasi auf dem Rasen vorbereitet haben. Und dass der ewige Lothar den Stillstand am Ende von Kohls Dauer-Kanzlerschaft symbolisierte. Wundert sich da noch jemand, dass der 1. FC Köln aus der Bundesliga absteigt?

Nun gut, der FC hat am Samstag gewonnen, sogar Tore geschossen, und bis zu Platz 15 sind es nur noch sechs Punkte. Doch all das wird nichts mehr nützen. Der FC ist gewissermaßen die fußballerische Entsprechung des Klüngels, der in diesen Wochen das erlebt, was unter keinen Umständen hätte passieren dürfen: Er wurde öffentlich.

Den Klüngel an sich hält nämlich kein Kölner auch nur im Geringsten für verwerflich. Er gehört zu Köln wie, nun ja, der Dom. Und Probleme haben damit nur die Anderen, also die, die nicht mitklüngeln. Die FC-Fans singen ja auch am liebsten "Wir sind nur ein Karnevalsverein", was die Anderen als schlimmste Beleidigung ansähen. Und woran liegt es, dass ihr Klub nun steht, wo er steht? Daran dass Ewald Lienen, einer von den Anderen, dem FC das Kölsche hat austreiben wollen. (Dass er den FC genau damit in die Bundesliga zurückgeführt hat, passt nicht ganz in die Theorie, aber ejal, äh, egal.)

Lienen hat Dirk Lottner, den Urkölner, so lange gedemütigt, bis Lienen gehen musste. Ausgerechnet dieser Lottner hat nun mit dem 1:2 gegen Rostock die vermeintliche Wende eingeleitet. Man kann das als Triumph des Klüngels werten. Er kommt zu spät. Mit schönen Theorien hat das wenig zu tun, allein mit der schnöden Praxis: Am Samstag spielt der FC bei Bayern München.

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