Sport : Nachspiel: Freudlose Trainergesellen

Welche Bilder kommen einem in den Sinn, wenn man den Namen Matthias Sammer hört? Natürlich. Sein blutverschmiertes Gesicht bei einem Spiel auf dem Bökelberg und die Ad-Hoc-Behandlung mit Tacker an der Seitenlinie. Weicheier wie wir würden in solchen Fällen erst einmal um eine Vollnarkose bitten. Oder - Sammerbild Nummer zwei - seine Wortgefechte mit dem Teamkollegen Andreas Möller. Sammer, so hat er einmal in einem seiner wenigen schwachen Momente zugegeben, liebt die Musik der Schlagersängerin Nicole. Alles in allem, das zeigen diese Beispiele, bedeuten ihm weltliche Lebensfreuden herzlich wenig.

Dass ihn die Beförderung vom Spieler zum Trainer grundlegend verändern würde, war nicht gerade zu erwarten. Doch nach etwas mehr als einem Jahr in seinem neuen Beruf deutet sich bereits an, dass alles noch viel schlimmer wird. Sammer ist mit Dortmund Tabellenführer, von drei Spielen hat die Mannschaft drei gewonnen und dabei - trotz Jens Lehmann - kein einziges Gegentor kassiert. Doch wenn der BVB wie vorige Woche in Berlin 60 Minuten lang überzeugend auftritt, klagt Sammer, seine Elf habe die 30 Minuten zuvor unterirdisch gespielt. Von der Meisterschaft will er, bitte, bitte, nichts hören, auch wenn sich der derzeitige Dortmunder Superstar Amoroso mit solchen Petitessen gar nicht abgibt, sondern bereits vom Gewinn der Champions League träumt.

Ein bisschen kann man Sammers aufgesetzte Zurückhaltung ja verstehen. Vor zwei Jahren standen die Dortmunder noch im Herbst an der Tabellenspitze, im folgenden Frühjahr waren sie dann froh, gerade so den Abstieg verhindert zu haben. Trotzdem erinnert man sich ein bisschen wehmütig an frühere Tage, als der junge Klaus Toppmöller schon Mitte der Hinrunde sein legendäres "Bye, bye, Bayern" sprach. Oder an den wilden Christoph Daum, der auch ohne Kokskonsum einmal wahnsinnig genug war, um seinen 1. FC Köln vor den Bayern zu sehen.

Heute hingegen haben wir es mit einer freudlosen Trainergeneration zu tun, deren Protagonisten außer Sammer vor allem Ewald Lienen und Huub Stevens sind. Lienen hat am Samstag im Fernsehen gleich eine Grundsatzdiskussion angefangen, weil ihn der Reporter nach dem 1:2 in Kaiserslautern als Verlierer des Spiels begrüßt hatte. Das sei typisch für den deutschen Sportjournalismus, zeterte Lienen, dass er nur in der Kategorie Sieger und Verlierer denke. "Ich fühle mich nicht als Verlierer", sagte Lienen. Das unterscheidet ihn von Matthias Sammer. Der siegt in Serie und fühlt sich nicht als Sieger.

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