Sport : Nachspiel: "Hau den weg!"

Detlef Dresslein

Die Statistiker haben den 23. Spieltag abgehakt. Wir aber müssen noch mal auf etwas zurückkommen - wie jeden Montag.

Missverständnisse sind eine gar garstige Angelegenheit. Sie sind schuld an Kriegen, Krächen und Kabale und schlechthin die Geißel eines jeden menschlichen Verhältnisses, insbesondere einer Paarbeziehung. Dabei ist ein jedes Missverständnis nur eine Sache der unterschiedlichen Perspektive. Da ist es mitunter sehr beruhigend, dass beim Fußball so wenig missverständlich ist. 22 wackere Männer, zwei Tore und ein Ball, und wer öfter beim Gegner trifft, der hat gewonnen. So ist das. Und doch ist das Geschehnis "Missverständnis" auch hier möglich. Wie etwa in München beim Spiel der Bayern gegen Köln.

Perspektive eins: Carsten Cullmann verliert den Ball, Stefan Effenberg hat ihn sogleich, stürmt davon, hört ein "Hau den weg" in seinem Rücken und liegt Sekunden später auf dem Boden. Klar, dass er sauer ist und den Rufer zur Rede stellt.

Perspektive zwei: Fußballlehrer Ewald Lienen sieht, wie sein Schützling Cullmann den Ball vertändelt, und denkt sich nur, warum hat er ihn nicht einfach weggedroschen. "Hau den weg" platzt es aus ihm heraus, hau den weg, den Ball, den Ball, einfach weg. "Der Cullmann nickt", erinnert sich Lienen später, "läuft fünf Meter weiter und haut den Effenberg weg." Da erst, und wahrscheinlich, als Effenberg auf ihn zustürmt, da also, erzählt Lienen, sei ihm klar geworden, was er gesagt hatte. Später im Kabinengang klärte der Kölner Trainer den Vorfall und ein Handschlag unter Männern bereinigte die Angelegenheit.

Aber halt! Zu dieser Geschichte gibt es sogar noch eine dritte Perspektive. Die ist aber schon 20 Jahre alt. Damals wurde der langhaarige Bielefelder Ewald Lienen vom Bremer Norbert Siegmann brutalstmöglich gefoult. Die Bilder sind legendär, wie Lienen mit aufgeschlitztem Oberschenkel nicht etwa die Sanitäter abwartet, sondern rasend auf den Bremer Trainer Otto Rehhagel zustürmt. Der soll Siegmann eine eindeutige Anweisung zugerufen haben. "Hau den weg" vielleicht. Wer weiß.

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