Sport : Nachspiel: Heute: Sverrissons Comeback

Klaus Rocca

Liebend gern würde er mal Torwart sein. Das ist nämlich die einzige Position, "die ich noch nicht gespielt habe". Doch den Gefallen, ihn zwischen die Pfosten zu stellen, wird ihm sein Trainer nicht tun. Der, Jürgen Röber, hat sich in seiner Not gerade daran erinnert, dass Eyjölfur Sverrisson einst während der gemeinsamen Zeiten im Schwabenland seine Qualitäten als Stürmer hatte. Jetzt, da dem Hertha-Trainer weder Alves noch Daei und auch nicht Reiss zur Verfügung stehen, muss Sverrisson also in die vorderste Linie. So wie am Sonnabend im Waldstadion zu Frankfurt, beim wundersamen 4:0 der Herthaner.

Man könnte glauben, es sei eine Zwangsverpflichtung und "Jolly", wie ihn alle nennen, unwirsch. Mitnichten. Ihm sei es doch, sagt der gelernte Verteidiger, egal, wo er spiele. Ob nun vorn oder hinten. So spricht ein Profi.

Im Waldstadion war er es durch und durch. So, als spiele er immer vorn. Ganz nebenbei gab er noch die Vorlage zum ersten Tor. Da haben wir, meinte Röber, gesehen, wie wertvoll Sverrisson sein kann. Ob nun vorn oder hinten.

Röber ist so einer wie Sverrisson besonders lieb. Weil der schuftet wie einst Adolf Hennecke, sich reinhängt, kämpft. Und da er eine große Übersetzung hat, oft wild mit den Armen rudert, ein wenig schwerfällig wirkt, sieht alles noch ein wenig mehr nach Schufterei aus. Nach sehr rustikaler Schufterei freilich. Keinem im Hertha-Kader werden so viele Gelbe Karten gezeigt, gegen keinen so viele Freistöße gepfiffen.

Auch in Frankfurt teilte er wieder kräftig aus. Doch Hellmut Krug, der Unparteiische, schien ihn irgendwie zu mögen. Er redete Sverrisson ins Gewissen, ermahnte ihn, doch er verschonte ihn mit der Gelben Karte. Mochte des Isländers Gegenspieler ob der rauen Spielweise auch noch so frustriert sein. Vielleicht lag es daran, dass Sverrisson mit seinen blauen Augen so unschuldig dreinblicken kann, als könne er keinem Leid antun. Dass er der Liebling der weiblichen Fans sein soll, liegt wohl auch an diesen blauen Augen.

Es könnte sein, dass sich die Damen bald nach einem anderen Idol umsehen müssen. Ein wenig liebäugelt der 32-Jährige, dessen Vertrag am Saisonende ausläuft, mit einem Wechsel in seine Heimat, dem Land der Geysire. Oder in ein anderes Land. Sechs Jahre bei Hertha - "da ist es sinnvoll, sich mal wieder nach anderem umzusehen". Es muss ja nicht die Türkei sein, wo er schon sein Geld verdiente. Doch vielleicht kommt alles ganz anders. Dieter Hoeneß hat nämlich schon mit dem Berater Sverrissons gesprochen. Und er habe dabei, so der Manager, positive Signale ausgesendet. Kommen sie richtig an, bleibt uns Sverrisson erhalten. Zur Freude der jungen Damen, zum Wohle der Mannschaft. Ob nun als Stürmer, Verteidiger oder im Mittelfeld. Als Torwart ganz bestimmt nicht.

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