Sport : Nachspiel: In fremdem Auftrag

Helmut Winklhofer gehört nicht unbedingt zu den Fußballspielern, die der Nachwelt auf Dauer in Erinnerung bleiben werden. Seinen größten Moment hatte der Verteidiger am 10. August 1985. Die Bayern spielten gegen Uerdingen, es war Ende der ersten Halbzeit und es stand noch 0:0, als Winklhofer den Ball aus dem Mittelfeld zu seinem Torhüter zurückpassen wollte. Jean-Marie Pfaff stand zu weit vor seinem Tor, der Ball nahm eine parabelförmige Flugkurve und landete im Netz. 1:0 gewann Uerdingen durch dieses Eigentor beim Deutschen Meister. Winklhofer war der Depp, und dass sein Treffer von den Zuschauern anschließend sogar zum Tor des Monats gewählt wurde, fand er auch nicht unbedingt lustig.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Lustig sind Eigentore immer nur für die anderen. Manchmal sogar sehr lustig. Man sieht das immer an den Stürmern, denen der Verteidiger gerade die Arbeit abgenommen hat. Sie jubeln nicht ausgelassen; sie lachen. An diesem Spieltag haben viele gelacht. Gleich drei Spieler trafen ins falsche Tor. Keins war so schön wie das von Winklhofer anno 1985, doch in dieser Häufung hat es Eigentore in der Bundesliga wohl noch nie gegeben. Jentzsch, Kaluzny und Nikl waren die - wie man so schön sagt - Unglücksraben.

Immerhin befinden sie sich in guter Gesellschaft: Franz Beckenbauer gilt nicht nur als bester Libero aller Zeiten, sondern auch als elegantester Eigentorschütze der Bundesligageschichte. Zum ersten Mal traf er - 20-jährig - am 21. Mai 1966 für den 1. FC Köln. Das folgenreichste Eigentor unterlief Michael Ballack am 20. Mai 2000, als der Leverkusener in fremdem Auftrag nicht nur für den direkten Gegner Unterhaching traf, sondern auch für die Bayern, die durch Leverkusens Niederlage doch noch Deutscher Meister wurden.

Das Eigentor oder auch - wie man so schön sagt - das klassische Eigentor umweht in solchen Fällen ein Hauch von Tragik. Wohl auch deswegen hat es längst Eingang in den allgemeinen Sprachgebrauch gefunden. Selbst Politiker fabrizieren - wie man so schön sagt - gelegentlich Eigentore. Nur gibt es dann meistens nichts zu lachen.

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