Sport : Nachspiel: Opfer Barbarez

Karsten Doneck

Sergej Barbarez ist ein unangenehmer Zeitgenosse. Zumindest auf dem Fußballplatz. Er reklamiert, er meckert, er provoziert. Um sich durchzusetzen, drängelt er und schubst. Und er schießt, was die Gegner wurmt, viele Tore. Die meisten per Kopf. Zehn seiner insgesamt 19 Saisontore hat der Bosnier für seinen Klub, den Hamburger SV, wo Kopfballtore seit den Tagen von Uwe Seeler und Horst Hrubesch eine gewisse Tradition haben, mit dem Schädel erzielt.

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Tipp-Spiel: Wer wird Deutscher Meister? Einen Kopfballtreffer der besonderen Art landete Sergej Barbarez beim 1:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern. Meinte jedenfalls Schiedsrichter Hellmut Krug. Nach einer Viertelstunde war Barbarez an der Außenlinie mit Lauterns Michael Schjönberg aneinander geraten. Wie zwei Kampfhähne standen sie sich gegenüber. Zwischen die Köpfe der Beiden hätte kein Halbliter-Bierkrug mehr gepasst. Und dann vergingen nur Bruchteile von Sekunden, bis Barbarez und Schjönberg auf den Rasen sanken.

Schiedsrichter Krug besah sich die Sache aus wenigen Metern Abstand. Er ließ sich Zeit, dachte gründlich nach. Klarer Fall von Kopfnuss, entschied er dann. Es folgte der Griff in die Brusttasche. Und während das Fernsehen den Vorgang immer und immer wieder zeigte, verließ sich Krug allein auf seine beiden Augen. Und irrte: Rote Karte für Barbarez, Gelbe Karte für Schjönberg.

Frank Pagelsdorf, der HSV-Trainer, sprach später von der "kuriosesten Roten Karte, die ich bisher gesehen habe". Und selbst sein Kollege Andreas Brehme aus Kaiserslautern kam nach dem Studium der Fernsehbilder zu dem Schluss: "Ein Platzverweis, der keiner war." Im TV war deutlich zu erkennen, dass Schjönbergs Kopf in dieser Szene das ausführende Organ war, seine Stirn zuckte nach vorne. "Der ist doch auf mich zugekommen", schimpfte Barbarez. Eine Sicht, die HSV-Präsident Werner Hackmann teilte: "Da ist Unrecht passiert." Barbarez hätte für sein dümmliches Provozieren in jener Szene durchaus Gelb verdient gehabt, aber die Rote Karte gebührte ausschließlich Lauterns Schjönberg.

Barbarez erwartet nun eine Sperre durch den Deutschen Fußball-Bund. "Wenn das passiert, würde ich an der Gerechtigkeit im Fußball zweifeln", meinte Hackmann. HSV-Profi Bernd Hollerbach, der Fußball noch als Schwerarbeit versteht, fand die strittige Szene nicht gar so dramatisch. "Das war nicht so schlimm", urteilte er. "Das gehört im Fußball dazu. Aber wenn es Rot gibt, dann müssen Beide rausfliegen." Zu einem derart radikalen Urteil konnte sich Krug jedoch nicht durchringen.

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