Sport : Nachspiel: Schiedsrichter Lottner

Michael Rosentritt

Die Statistiker haben den 30. Spieltag abgehakt. Wir aber müssen noch mal auf etwas zurückkommen - wie jeden Montag. Heute:

Dirk Lottner hat in seiner Karriere als Fußballprofi schon so ziemlich jede Position gespielt. Was er im Wesentlichen seinem starken linken Fuß zu verdanken hatte. Etwas ins Hintertreffen geriet bisher seine Qualifikation als Schiedsrichter. Bis vergangenen Sonnabend. Irgendwann im Schlussdrittel der Bundesligapartie bei Hansa Rostock war es dann soweit. Schiedsrichter Wolfgang Stark aus Ergolding, dem an diesem Nachmittag im Ostseestadion schon eine korrekte Leitung des Spiels abhanden gekommen war, hatte seine Gelbe Karte verloren. Kölns Kapitän Lottner hob den Verwarnungskarton auf und übergab ihn Stark. Nur tat er das nicht so, wie man einem die Hand gibt. Lottner ließ sich für diesem Moment zu einer großen Geste hinreißen indem er in die Schiri-Rolle schlüpfte. Er ging mit der Gelben hoch in seiner starken Hand vor sich gestreckt auf den Schiedsrichter los. Stark, der den Rostocker Führungstreffer trotz eines klaren Foulspiels des Torschützen anerkannte, war dies ziemlich peinlich. Was ihm im Weiteren aber nicht davon abhielt, noch einmal danebenzuliegen. Minuten vor dem Schlusspfiff ahndete er ein elfmeterwürdiges Foul an Lottners Mitspieler Scherz nicht. "Der DFB ist mit seiner Altersgrenze auf dem Holzweg, man müsste eine Altersgrenze von unten einführen", sagte Kölns Trainer Ewald Lienen. Stark ist mit 31 Jahren einer der "jungen Leute, die mir ständig über den Weg laufen" (Lienen). Lottner war an diesem Nachmittag nur eines wichtig: Ordnung auf dem Platz. Verständlich als gelernter Lagerist.

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