Sport : Nachspiel: Schneiders Schuss

Stefan Hermanns

Es war im Pokalfinale 1982, als der Nürnberger Reinhold Hintermaier von Höhe der Mittellinie einfach mal auf das Tor der Münchner Bayern zielte und seine Mannschaft in Führung schoss. Torhüter Manfred Müller musste sich nachher einige böse Kommentare anhören. Wenn der Ball aus mehr als 40 Meter Entfernung ins Netz fliegt, gerät ein Torhüter immer in Erklärungsnot. So auch am Sonnabend in der Begegnung zwischen Dortmund und Leverkusen. In der siebten Minute wollte der Dortmunder Sunday Oliseh einen Pass auf einen Kollegen spielen. Eine Allerweltssituation ohne größeres Gefahrenpotenzial. Der Ball landete jedoch genau auf dem Fuß des Leverkuseners Bernd Schneider. Schneider schoss direkt, aus dem Mittelkreis, der Ball flog über Dortmunds Torhüter Jens Lehmann hinweg zum 1:0 ins Netz.

Lehmann stand da, wo vermutlich alle Torhüter stehen, wenn die eigene Mannschaft ihr Spiel aufbaut - nicht auf der Torlinie, sondern einige Meter davor. Die Fernsehreporter haben Lehmann daher einen Teil der Schuld an diesem Tor zugesprochen. (Als Schuldiger macht sich Lehmann immer gut.) Und auch Oliseh wurde für seinen Fehlpass in die Verantwortung genommen. Das ist typisch. Das Fernsehen will Schuldige sehen. In 999 von 1000 Fällen wäre der Fehlpass ohne Folgen geblieben. In diesem einen Fall aber erkannte Bernd Schneider die Gunst des Augenblicks und nutzte sie. Ein perfekter Schuss. Ein perfektes Tor. "Ein Geniestreich" schrieb der Sportinformationsdienst. Das musste auch mal gesagt werden.

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