Sport : Nachspiel: So was gehört sich einfach nicht

Früher, beim Fußball auf der Straße, gab es manchmal große Momente. Wenn der beste Fummler des Viertels mal wieder am eigenen Strafraum anfing, die Gegenspieler auszudribbeln und wir im richtigen Augenblick den Fuß am rechten Ort hatten, um ihm den Ball abzunehmen. Wie wir dann alleine auf das leere Tor zuliefen, den Ball auf der Linie stoppten, uns mit den Knien auf den Asphalt hockten und den Ball mit der Stirn ins Tor stupsten. Kopfballtore zählen doppelt.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Natürlich ging es in solchen Momenten auch darum, den Gegner ein bisschen lächerlich zu machen. Auf der Straße darf man das, aber in der Bundesliga? Die meisten Trainer mögen es nicht besonders, wenn ihre Spieler dem Gegner den Ball mit der Hacke durch die Beine schicken, allein des billigen Effektes wegen. So was gehört sich einfach nicht. Und doch macht sich im knallharten Bundesligageschäft der Trend zur Verächtlichmachung des Gegners breit. Vielleicht gilt das inzwischen als besonders perfider Psychotrick.

Mario Basler setzt sich zum Eckball ein Pepitahütchen auf, und versteht nicht, wenn der Linienrichter ihn zur Einhaltung der guten Sitten ermahnt. Man könnte auch darüber streiten, ob sich jetzt alle Torhüter als Elfmeterschützen betätigen müssen, so wie Oliver Reck, der vor zwei Wochen gegen St. Pauli das 4:0 und sein erstes Bundesligator erzielte. Am Samstag in München schritt Oliver Kahn beim Stand von 6:0 für seine Mannschaft zur Ausführung eines Elfmeters. Kahn gilt als seriöser Vertreter seines Berufs, und für solche Spielchen ist er eigentlich nicht zu haben. Den Ball schoss er an den Pfosten.

Früher war die sportliche Auseinandersetzung noch von Respekt für den Gegner geprägt. Als die Nationalelf 1976 gegen Malta beim Stand von 3:0 einen Elfmeter zugesprochen bekam, rief das ganze Stadion nach Berti Vogts. Vogts war damals Liebling des Publikums, und nichts gönnten ihm die Zuschauer mehr, als dass er im 69. Länderspiel endlich sein erstes Tor erzielte. Doch so viel Demütigung sollte nicht mal den Maltesern widerfahren. Den Elfmeter schoss Erich Beer. Wie die Geschichte zu Ende ging? Kurz vor Schluss traf Vogts per Kopf zum 7:0.

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