Sport : Nachspiel: Trikotsammler Wolf

Benedikt Voigt

Man stelle sich vor: Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld ruft nach dem Halbfinale in der Champions League Fernando Hierro zu sich und redet auf den Verteidiger von Real Madrid ein. Daraufhin läuft Hierro über das gesamte Spielfeld, fängt Luis Figo kurz vor dem Gang in die Kabine ab und kehrt mit dessen Trikot zu Hitzfeld zurück. Stolz klemmt sich der Bayern-Coach das durchgeschwitzte Hemd unter seinen Arm und schlendert ebenfalls in die Kabine. Undenkbar?

Nicht in Wolfsburg. Dort schickte Trainer Wolfgang Wolf nach dem 1:1 gegen Borussia Dortmund Jürgen Kohler zum Trikotholen. Der Dortmunder kam mit dem begehrtesten Exemplar zurück, das der Klub momentan zu bieten hat. Nummer zehn - Tomas Rosicky. "Mein Sohn hat mich darum gebeten", erläuterte er später. Es war eine ungewöhliche Aktion für einen Bundesligatrainer, das Trikotsammeln überlässt man normalerweise den Fans oder den eigenen Spielern. Was würden Letztere über ihren Vorgesetzten denken, wenn sich der Trainer vor allen Fernsehkameras als Fan des Gegners präsentiert?

Doch es spricht für den bodenständigen Wolfgang Wolf, dass er solche Überlegungen gar nicht anstellt, und auf seinen Sohn hört. Und es spricht für den Sohn, den Vater auf das Trikot des tschechischen Jungstars anzusetzen. In Zeiten, in denen der Neue Markt kriselt, muss man sich nach neuen Geldanlagen umsehen. Und welches Bundesligatrikot verspricht gegenwärtig die höchste Rendite? Genau. Womöglich ist Ottmar Hitzfeld jetzt auch auf die Idee gekommen.

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