Sport : Nachspiel: Wenn die Fahne fällt

Benedikt Voigt

Die Missachtung des Linienrichterwesens zeigt sich gelegentlich noch in unteren Fußball-Klassen. "Ey, kannste mal winken?", fragt der Vereinsvorsitzende dort einen seiner C-Jugendlichen, der dann mit der Aussicht auf eine Cola im Vereinsheim in Jeans und Straßenschuhen die Seitenlinie herunterrennt. Der Schiedsrichter bemerkt seinen verzagten Helfer freilich erst, wenn sich alle zwölf Zuschauer darüber aufregen, dass der Junge auch beim entscheidenden Abseitstor die Fahne unten gelassen hat.

Das muss nicht sein. Schon seit geraumer Zeit läuft beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) eine Kampagne zur Imageverbesserung für Linienrichter. Als erstes benannte der DFB die Unparteiischen in Schiedsrichterassistenten um, was verdeutlichen soll, dass diese nicht nur über eine Kreidelinie richten, sondern wichtige Helfer sind. In dieser Bundesligasaison kann der Assistent sogar per Knopfdruck in seiner Fahne dem Schiedsrichter ein Funksignal geben, wenn ihm eine Regelwidrigkeit aufgefallen ist. Damit entfällt das lächerliche Fähnchenschwenken auf Kopfhöhe, um die Aufmerksamkeit des Chefs auf sich zu lenken. Am Sonnabend in Frankfurt wurde dem Assistenten allerdings diese Funk-Fahne versehentlich entzwei geschossen. Es dauerte einige Minuten, bis der Schiedsrichter ein neues High-Tech-Wink-Gerät auftrieb und es unter dem Jubel der Zuschauer seinem Assistenten bringen konnte. Vielleicht aber gehörte diese Verzögerung zur Imagekampagne: Wenn das Spiel so lange unterbrochen werden muss, nur weil eine Fahne kaputt ist, dann muss dieser Mann wirklich bedeutsam sein.

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