Sport : Nachspiel - Wolken über Ailton (Glosse)

Benedikt Voigt

An dieser Stelle ist bereits einiges über den Fußballspieler Goncalves da Silva Ailton geschrieben worden: dick, schnell, kapiert die Abseitsfalle nicht. Das erklärt aber nicht, warum sich der Brasilianer am Freitagabend um 20 Minuten nach Acht so bitterlich bei seinen Kollegen vom SV Werder Bremen beklagt hatte. Ailton schimpfte wie eine Sonnenanbeterin an der Copacabana, wenn Wolken über Rio aufziehen, und er wollte sich auch nicht beruhigen, als Sportkamerad Dieter Eilts den Ball längst zum 3:0 über die Torlinie von Hertha BSC getreten hatte. Gocalves da Silva Ailton, was war eigentlich dein Problem?

Vielleicht war dies der Grund: Sie hatten ihn allein gelassen. Ihn, den Brasilianer mit den spärlichen Sprachkenntnissen, alleine im kalten Weserstadion mit dem Ball am Fuß und der Abseitsfalle vor Augen. Ailton zeigte nach rechts, Ailton zeigte nach links, Ailton zeigte in alle Richtungen - allein es wollte ihm niemand helfen. Die Abseitsfalle rückte näher, und niemand war in der Nähe, den man hätte fragen können, ob man jetzt den Ball abspielen darf oder nicht. Die Sekunden verstrichen, und schließlich passte Ailton doch noch zu Dieter Eilts. Mit den bekannten Folgen für Hertha BSC.

Vielleicht aber war es auch ganz anders. Vielleicht benutzte Ailton portugiesische Schimpfwörter, um sich über die Abwehrspieler von Hertha BSC zu beklagen. Allen voran über Kjetil Rekdal, der hochachtungsvoll zwei Meter Abstand gehalten hatte zum schimpfenden Ailton. Man weiß ja nie wie Brasilianer reagieren, wenn sie sich über irgendetwas aufregen. Vielleicht hatte Goncalves da Silva Ailton dies gesagt: Mensch Hertha, mach es mir doch nicht ganz so einfach.

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