NACHSPIEL Zeit : Park or Ride

Harald Martenstein versucht, die Organisation der Fifa-Weltmeisterschaft zu durchschauen

Tagesspiegel-Reporter
Tagesspiegel-Reporter

Für die Spiele der Vorrunde hatte ich 14 Karten beantragt. Bewilligt wurden leider nur drei, darunter das Spiel von Honduras gegen die Schweiz in Bloemfontein. Das Problem bestand darin, dass von meinen drei bewilligten Spielen zwei am gleichen Tag stattfinden, und dies auch noch gleichzeitig. Ich beschloss, die Karte für das Honduras-Spiel zurückzugeben, ich glaube, ich hatte das sowieso nur aus Versehen auf die Liste gesetzt. Ich ging zum Medienzentrum. Aber eigentlich wollte ich ja darüber erzählen, wie so eine Weltmeisterschaft organisatorisch abläuft.

Rund um die Stadien gibt es zum Beispiel keine normalen Parkplätze. Darunter verstehe ich einen Parkplatz, wo man hinfahren kann, eine Gebühr bezahlt und parkt. Wer bei der WM parken will, braucht, egal ob Journalist oder normaler Besucher, eine Parkgenehmigung. Diese Genehmigungen kann man nicht etwa dort kaufen, wo es die Eintrittskarten gibt, auch nicht am Stadion, sondern vorab und irgendwo anders. Wo genau, konnte mir niemand sagen, auch meine südafrikanischen Gastgeber nicht.

Es kann also sein, dass jemand eine Eintrittskarte hat, und nicht parken darf, egal, wie viel Geld er zu zahlen bereit ist. Noch interessanter ist natürlich der umgekehrte Fall. Man darf, ohne Eintrittskarte, vor dem Stadion parken und von Ferne den Vuvuzelas zuhören.

Der öffentliche Nahverkehr funktioniert sehr unterschiedlich. Es mehren sich die Berichte über Fans aus den verschiedensten Ländern, die nach Südafrika geflogen sind, Karten für Spiele besitzen, aber es einfach nicht schaffen, in die Stadien hineinzukommen. Leider streiken neuerdings auch die Busfahrer. Zum einen tun sie dies, weil sie von ihren Arbeitgebern plötzlich weniger Geld bekommen sollen, als vorher versprochen wurde. Das scheint in Afrika ein verbreitetes Problem zu sein. In Kapstadt haben die Sicherheitsleute ebenfalls erfahren, dass ihr Boss sich nicht an die Lohnabsprachen hält. Daraufhin sind die Sicherheitsleute verärgert nach Hause gegangen. Es gab beim Spiel Italien-Paraguay plötzlich keine Sicherheitsleute mehr. In aller Eile hat man als Ersatz Schüler einer Polizeischule aufgetrieben. In der Zeitung sagt einer der Schüler sinngemäß: „Ich weiß gar nicht, worauf ich da achten soll in diesem Stadion. Ich bin doch noch viel zu jung.“

Es melden sich in den Zeitungen aber auch Busfahrer zu Wort, die darauf hinweisen, dass sie, wenn sie Fans zum Stadion bringen, ja selber die Spiele nicht anschauen können. Das sei ungerecht, den Busfahrern gegenüber. Wegen des Streiks könnten sie sich endlich mal in Ruhe ein paar Spiele anschauen.

Wie auch immer, am Stadion Soccer City war es so, dass vor dem ersten Holland- Match die Busse problemlos zum Stadion fuhren. Während des Spiels wurde aber ein Streik beschlossen. Als die Fans aus dem Stadion herausströmten, mussten sie feststellen, dass es keinen Busverkehr mehr gab. In Soweto ist es übrigens gar nicht so einfach, ein Taxi zu kriegen.

Ich war also im Fifa-Medienzentrum, um die Karte für das Honduras-Spiel zurückzugeben. Die Frau am Schalter war nett, aber sie sprach kaum Englisch und kannte sich überhaupt nicht mit Computern aus. Ihr Chef war in einer Besprechung. Ich habe ihr einfach einen Zettel geschrieben, auf Englisch, und habe mein Anliegen in knappen Worten geschildert. Diesen Zettel solle sie bitte ihrem Chef zeigen.

Am nächsten Tag kam eine E-Mail, Absender: die Fifa. Meinem Antrag sei stattgegeben. Man habe mir einen Vip-Parkplatz für das Spiel von Honduras gegen die Schweiz genehmigt.

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