Sport : Nachspiel: Zwei Stühle, zwei Meinungen

Zwei Menschen reden beurteilend über ein Fußballspiel. Ein sachkundiges Gespräch zweier Experten. Nun ja, beide haben schließlich lange genug selbst den Ball getreten, auch als Profis. Ihre Sachkenntnis haben sie über das Ende ihrer Praxisphase hinaus dann sogar noch erweitert: Jetzt arbeiten sie als Trainer, hauptberuflich.

"Wir müssen das Spiel für uns entscheiden", erzählt der eine Trainer, "allein schon aufgrund der zweiten Hälfte." Ein paar Meter weiter erklärt der andere Trainer: "Über 80 Minuten waren wir spielbestimmend, gegen einen derart verunsicherten Gegner war mehr drin." Also, was nun? Zwei Trainer, zwei Meinungen - aber nur ein Spiel. Und zwar: Hansa Rostock gegen Hamburger SV. Endstand: 1:1. Selten waren sich zwei Trainer, in diesem Fall Armin Veh bei Rostock und Kurt Jara beim HSV, in der Bewertung eines Spielverlaufs so uneins.

Klar, jeder Trainer preist gern die Leistung der eigenen Elf. Das wertet ja auch die eigene Arbeit auf dem Trainingsgelände auf. Und sowohl Rostocks Übungsleiter als auch sein Hamburger Kollege mussten nach den letzten Ergebnissen schon eine dicke Schicht Rouge auftragen, um die Kratzer an ihrem Image zu übermalen. Hansa hatte schließlich zuvor beim 1. FC Köln, bei dem in dieser Saison gewöhnlich die Punkte im Vorbeigehen mitgenommen werden, 2:0 geführt und noch 2:4 verloren. Der HSV war, noch eine Woche früher, bei Hertha BSC mehr zum Zugucken als zum Fußballspielen auf den Rasen gekommen und folglich mit 0:6 versohlt worden. Das sind Peinlichkeiten, nach denen auch Trainer nach ihren Versäumnissen gefragt werden.

Insofern ist das gemeinsame Rostocker und Hamburger Bedauern über einen entgangenen Sieg verständlich. Die Wahrheit - die liegt ja sowieso in der Mitte. Die Partie im Ostseestadion war ein höchst durchschnittliches Bundesligaspiel, auffällig die vielen Unzulänglichkeiten. Der eine besaß ein paar Chancen, der andere auch, beide schossen ein Tor. 1:1 - der Endstand. Irgendwie gerecht, auch wenn die Herren Veh und Jara mehr für sich forderten.

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