Sport : Nachts leben

Steffen Hudemann

erträgt die späten WM-Anstoßzeiten mit Gelassenheit Die Fußball-Weltmeisterschaft kommt schneller, als wir denken. In einem Jahr wird das Turnier schon vorbei sein. Der Spielplan steht fest, ein Teil der Karten ist bereits verkauft. Jetzt bemerkt auch der Deutsche Fußball-Bund, dass nächstes Jahr WM ist und kritisiert die späten Anstoßzeiten. Die Kritik kommt allerdings zu spät, um daran noch etwas zu ändern. Wir werden uns also an die späten Spiele gewöhnen müssen. Für Familien ist die Anstoßzeit 21 Uhr problematisch, aber sie hat auch ihre guten Seiten. Wer bis sieben oder acht Uhr abends arbeitet, hat so genug Zeit, um rechtzeitig zum Anpfiff im Stadion oder vor dem Fernseher zu sitzen. Auch die Menschen in Mexiko werden dankbar sein, dass einige Spiele erst um 14 Uhr Ortszeit beginnen und nicht alle am Morgen. Bei den Weltmeisterschaften 1970 und 1986 legten die Mexikaner die Spiele sogar in die größte Mittagshitze, damit die Europäer zur besten Sendezeit den Fernseher anstellen konnten. Die Weltmeisterschaft ist ein internationales Turnier – wenn die Deutschen ein guter Gastgeber sein wollen, sollten sie nicht nur an sich denken.

Andere Länder Europas haben mit dem späten Anstoß ohnehin kein Problem. In Spanien beginnen Ligaspiele oft erst um 22 Uhr, die Kinder gehen dann eben etwas später ins Bett. Dort würden Schulen allerdings auch nicht auf die Idee kommen, um halb acht mit dem Unterricht zu beginnen. Vielleicht sollten die deutschen Lehrer diese Gelassenheit zum Vorbild nehmen und in den Wochen vor den Sommerferien 2006 einfach eine Stunde später anfangen.

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