Sport : Nachwuchs aus Spanien

Dank Alonso hat Renault in der Formel 1 Erfolg

Karin Sturm[Magny-Cours]

Erstmals seit 40 Jahren fährt kein Franzose in der Formel 1. Dass Olivier Panis bei Toyota noch einmal für den Frankreich-Grand-Prix als Testfahrer reaktiviert wurde, zählt nur am Rande. Trotzdem herrscht in der „Grande Nation“ dank Renaults Dominanz in der ersten Saisonhälfte ein Grand-Prix-Boom wie seit langem nicht mehr. „Unsere Erwartungen wurden weit übertroffen“, sagte Patrick Faure, der Präsident von Renault F1, stolz vor dem Heimrennen in Magny- Cours. Die Fans strömen zum Großen Preis von Frankreich. Blaue Hemden, blaue Kappen und blau-gelbe Fahnen der Anhänger der „Equipe jaune“ bestimmen das Bild auf den gut besetzten Tribünen im „Circuit de Nevers“.

Neuer Rennheld der Franzosen ist allerdings notgedrungen ein Spanier: Fernando Alonso, der heute beim Großen Preis von Frankreich (14 Uhr/live in Premiere und RTL) zum sechsten Mal in seiner Karriere auf der Poleposition stehen wird. Er verwies Jarno Trulli im Toyota und Kimi Räikkönen im McLaren Mercedes auf die Plätze zwei und drei. Räikkönen wird wegen eines Motorwechsels aber um zehn Positionen zurückversetzt, wovon Michael Schumacher profitiert. Der Weltmeister erzielte im Ferrari zwar nur die viertbeste Zeit, rückt aber aufgrund Räikkönens Strafversetzung auf den dritten Rang vor.

„Renault hält die Fahne hoch“, titeln einige französischen Zeitungen. Das Debakel vom Grand Prix in Indianapolis, vom französischen Reifenlieferanten Michelin verursacht, versucht man beim Heimrennen in Magny-Cours mit großem Aufwand vergessen zu machen. 6000 Firmenmitarbeiter von Renault wurden extra als Gäste an die Strecke eingeladen. Hinzu kommt ein neues Design der Rennautos – mit besonderer Werbung: Man fährt Reklame für die Olympia-Bewerbung der französischen Hauptstadt. Das jedoch ein wenig zum Leidwesen von WM-Spitzenreiter Fernando Alonso: „Als Teamangehöriger muss ich das akzeptieren, aber ehrlich gesagt hoffe ich persönlich trotzdem, dass Madrid den Zuschlag bekommt.“ Um den Zuschauern etwas zu bieten, fuhren Alonso und Jeancarlo Fisichella in Magny-Cours am Freitag, an dem sonst in erster Linie Reifen sparen und Motoren schonen angesagt ist, ein paar schnelle Runden mehr als üblich.

Frankreich, das mit Alain Prost immerhin einen viermaligen Weltmeister vorweisen kann und in den großen Zeiten manches Jahr mehr als zehn Piloten im damals allerdings größeren Starterfeld hatte, klagt seit Jahren über Nachwuchsmangel. Die strengen französischen Tabakwerbegesetze, die einige kleinere, von Zigaretten-Sponsoren finanzierte Nachwuchsformeln, aus denen früher viele Talente kamen, kaputtmachten, sind sicher ein Grund dafür. Die wenigen französischen Hoffnungen, fanden keinen Platz. Der ehemalige Formel-3000-Europameister Sebastien Bourdais setzte sich deshalb nach Amerika in die Champ-Car-Serie ab, Franck Motagny, von Renault immerhin zum Testfahrer entwickelt, konnte sich nie so empfehlen, dass ein Renncockpit für ihn herausgesprungen wäre.

Immer wieder finden sich in den französischen Medien Aufforderungen, doch Abhilfe zu schaffen, wogegen sich Renault-Sportchef Patrick Faure wehrt: „Frankreich trauert verständlicherweise immer noch den Zeiten von Prost, Alesi oder Panis nach. Ich kann nicht sagen, für wie lange noch. Ich kann nur betonen: Bei den Erfolgsanforderungen, die die Konzernführung an uns stellt, können wir nicht mittelmäßige Fahrer engagieren, nur weil sie Franzosen sind.“ Im Übrigen sei man mit der Formel Renault und der Nissan World Series sehr stark in der Nachwuchsförderung engagiert.

Das größte Talent aus diesen Serien ist allerdings ein Finne: Heikki Kovalainen. Aber auch wenn Renault-Teamchef Flavio Briatore Kovalainen schon mal vorsorglich in „Jean-Pierre Cova“ umbenannt hat, wirklich lösen wird er das französische Nachwuchsproblem so nicht.

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