Sport : Nachwuchs gegen Nationalspieler

Der SC Magdeburg empfängt das teuerste Team der Champions League – den FC Barcelona

Hartmut Moheit

Berlin . Je aufgeputschter die Atmosphäre in der Halle, desto besser wird David Barrufet. Da spielt es keine Rolle, ob der 33-jährige Handball-Torhüter des FC Barcelona im heimischen Palau Blaugrana vor 8000 begeisterten Katalanen spielt, oder, wie am vergangenen Sonntag, mit Spanien beim Supercup-Finale gegen Deutschland in Riesa – für jeden Werfer kann er zum Alptraum werden.

In der Magdeburger Bördelandhalle, wo Barrufet am Sonnabend mit Barcelona in der Champions League gegen den SC Magdeburg antritt, wo 7800 Handballfans jedesmal für spanische Verhältnisse sorgen, dürfte der 1,97 Meter große Schlussmann erneut mit seine Paraden glänzen können. „Unsere Torhüter haben sich zwar im Vergleich zum Vorjahr gesteigert“, sagt Magdeburgs Trainer Alfred Gislason, „aber Barcelona ist für mich nicht nur wegen Barrufet die beste Klubmannschaft der Welt.“ Sein Trainerkollege Valero Rivera kann sich bei den vielen Top-Handballern in seinem Team mit 15 aktuellen Nationalspielern sogar den Luxus leisten, „ganze Spielerblöcke auf einmal auszuwechseln“, beschreibt Gislason das Besondere am Gegner vom Sonnabend. „Für mich war es bei der Auslosung im Juli in Wien der größte Wunsch, gegen dieses Team spielen zu können“, sagt er heute noch.

Obwohl der SC Magdeburg vor zwei Jahren die Champions League gewonnen hat, sieht Gislason seine Mannschaft gegen den sechsmaligen Gewinner aus Spanien in der Außenseiterrolle. Als Begründung dafür nennt er „das Durchschnittsalter mit acht Spielern unter 22 Jahren“. Der Isländer, der vorerst bis 2007 in Magdeburg als Trainer weiterarbeiten möchte, spricht in diesem Zusammenhang sogar von einem Neuaufbau beim SC Magdeburg. Nicht nur, weil Olafur Stefansson, neben Stefan Kretzschmar sein wichtigster Spieler, nunmehr bei Ciudad Real in Spanien spielt, und weil Nenad Perunicic wohl an der Schulter operiert werden muss und auch Sigfus Sigurdsson verletzt ist, „die Abgeklärtheit vergangener Jahre fehlt noch“. Während der Supercup lief, hatte Gislason in der Bördelandhalle sechs Handballer beim Training.

Noch spielt der SC Magdeburg des Jahrgangs 2003 mit zu großem Risiko, was viele technische Fehler zur Folge hat. „Die Mannschaft muss ihren Erfolgsstil erst wieder finden“, sagt der Trainer, „etwas Spezielles zeichnete den Magdeburger Handball immer aus.“ Damit meint Alfred Gislason auch jenen SC Magdeburg aus DDR-Zeiten, „bei dem ich damals sehr gern gespielt hätte“. Die Handball-Euphorie von damals ist nach der Wende sehr schnell in eine neue Qualität umgeschlagen. „Wir hätten für das Spiel gegen Barcelona 15000 Karten verkaufen können. So groß war das Interesse“, sagte Bernd-Uwe Hildebrandt. Der Magdeburger Manager hat maßgeblichen Anteil daran.

Gislason hat mittlerweile mehrere Angebote als Nationaltrainer zu arbeiten, abgelehnt. Darunter war auch eins aus seiner Heimat, für die der gelernte Historiker 189 Länderspiele bestritt.

„Ich fühle mich hier sehr wohl“, sagt Gislason, „hier will ich noch sehr viel mehr erreichen.“ Maßstab ist der FC Barcelona, auf dessen finanzielle Ressourcen die Magdeburger jedoch nur mit Neid blicken können. Gerade erst wieder hat Barcelona Interesse an dem 88-maligen dänischen Nationalspieler Lars-Krogh Jeppesen signalisiert, der Klub will ihn bis 2009 verpflichten. Magdeburg baut indes noch mehr auf den eigenen Nachwuchs. Zum Beispiel auch auf den 21-jährigen Johannes Bitter im Tor. Gegen Barcelona wird er nicht weniger im Mittelpunkt stehen als sein Gegenüber David Baruffet. Auch Bitter liebt die Atmosphäre in der Halle besonders.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben