Sport : Nachwuchs ohne Schanze

Benedikt Voigt

In Bischofshofen flatterte am Freitagabend eine Fahne, die bis dahin noch nie zu einem Skispringen mitgebracht worden ist. Sie zeigte einen Halbmond mit Stern auf einem knallroten Untergrund, darunter stand geschrieben: „Die Türkei grüßt Thomas Morgenstern.“ Dieser stammt zwar aus Österreich, doch offenbar kann der 19-Jährige auch im Vorderen Orient Menschen begeistern. Genau so ein junger Springer fehlt dem Deutschen Skiverband.

Es rächt sich gegenwärtig, dass die deutschen Skispringer in den besten Zeiten des Booms um Sven Hannawald und Martin Schmitt ihren Nachwuchs vernachlässigt haben. Nun fehlen jene Springer, die den Etablierten den Rang streitig machen. Martin Schmitt darf bereits im vierten Jahr hinterherspringen, ohne um seinen Platz in der Weltcupmannschaft fürchten zu müssen. Kein Nachwuchsspringer ist in Sicht, der zu einer überraschenden Leistung fähig wäre und neue Begeisterung wecken könnte. An die schwankenden Leistungen des 27-jährigen Michael Uhrmann und des 24-jährigen Georg Späth haben sich die Zuschauer längst gewöhnt.

Zwar startet der deutsche Verband nun endlich ein neues Nachwuchsprogramm. Doch es kommt wohl zu spät. Nach den Regeländerungen der letzten Jahre dauert es zurzeit noch länger, bis die Talente in der Weltspitze angekommen sind. Die deutschen Freunde des Skispringens müssen sich wahrscheinlich noch länger gedulden. Die Plätze zehn und elf bei der gerade beendeten Vierschanzentournee sind für die deutschen Springer gar nicht so schlecht. Es könnte in den nächsten Jahren schlimmer kommen.

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