Sport : Nachwuchsspieler Benjamin Heckers erste Saison als Profi

Claus Vetter

Nahezu die Hälfte seiner ersten Saison als Profi bei den Capitals hat Benjamin Hecker seinen Mannschaftskollegen entweder von der Tribüne oder von der Spielerbank aus zuschauen müssen. "Natürlich gab es enttäuschende Momente", stellt der 19-Jährige fest, "vor allem wenn das Gefühl aufkommt, trotz allen Trainingseifers keine Chance zu haben. Wenn du nur drei Minuten zum Einsatz kommst, bist du froh, wenn du überhaupt mal den Puck berührst."

Trotzdem fällt das Fazit des gebürtigen Berliners nach einer Spielzeit in der Deutschen Eishockey Liga positiv aus. Schließlich hat es seit Fabian Brännström keiner aus dem Nachwuchs der Capitals geschafft, bei den Profis Fuß zu fassen. Anläufe gab es, aber Namen wie Andreas Dimbat oder Daniel Kuch sind an der Jafféstraße längst vergessen. Einiges spricht dafür, dass es bei Hecker anders laufen könnte. Körperlich ist der stattliche 1,91 Meter messende Stürmer jemand, der keinen Zweikampf fürchten muss. Dass er sich durchsetzen kann, hat Hecker bewiesen. "Es war ein sehr lehrreiches Jahr, ich kann mich nicht beklagen. Zumal ich vier Tore geschossen habe, was bei der geringen Eiszeit fast ein Wunder ist."

Speziell ans Viertelfinale hat Hecker gute Erinnerungen, auch wenn manchmal das "Herz gepumpt hat" - wie etwa beim dritten Match in Krefeld. Da wurde er mit zwei Youngstern, Meyer und Senger, in der ersten Reihe aufgeboten. Bei der Vorstellung der Berliner Startformation lief dann alles schief. Keiner aus dem Trio lief zum vom Stadionsprecher vorgegebenen Zeitpunkt auf, aus Benjamin Hecker wurde Patrick Senger. "Natürlich waren wir nervös, aber das legte sich schnell. Keiner hatte von uns erwartet, dass wir die Tore schießen, wir hatten nur die Aufgabe, welche zu verhindern." Diese Vorgabe erfüllte das Trio bei besagtem Spiel souverän, dennoch wurden im weiteren Verlauf der Play-offs Einsätze für die drei zur Mangelware. Die verletzten oder gesperrten Stars meldeten sich zurück, Meyer, Senger und Hecker rückten wieder ins zweite Glied.

Derlei sind junge deutsche Spieler gewohnt, schließlich ist die Arbeit mit dem Nachwuchs für die meisten Klubs in der DEL eher ein lästiges und kostenträchtiges Beiwerk für die Profiabteilung. Da bilden auch die Capitals keine Ausnahme, kurzfristiges Erfolgsdenken ist nun mal in der Branche gefordert. Benjamin Hecker weiß um diese Realität und hat für Trainer Michael Komma Verständnis. Als jüngster Coach in der DEL habe sich Komma eben beweisen müssen. "Der stand permanent unter Erfolgsdruck."

Das erste Jahr als Neuling ist vorbei, die Zukunft wird nicht einfacher. Hecker bleibt bei den Capitals, schon aus persönlichen Gründen. Im Mai tritt er unweit Berlins seinen Wehrdienst an. Das Leben in der Kaserne dürfte vielleicht angenehmer als der Konkurrenzkampf auf dem Eis werden. "Ich habe ihm gesagt, was auf ihn zukommt", erzählt Trainer Komma. Benjamin Hecker hat keine Angst, zeigt vielmehr das Selbstbewusstsein, ohne das für einen jungen deutschen Spieler in der DEL nichts zu erreichen ist: "Auf der Tribüne hocken will ich auf keinen Fall, schließlich komme ich in das Alter, in dem ich ein fertiger Spieler sein muss."

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