Sport : Nackt und ohne Namen

Wie WM-Stadien für Sponsoren umrüsten müssen

André Görke

Berlin - Die Kölner Bauarbeiter mussten nur einen Schraubenzieher ins Fußballstadion mitbringen. Damit haben sie die weißen Sitzschalen abmontiert. Die ergaben nämlich zwischen all den tausend roten Sitzen den Stadionnamen: „Rhein-Energie-Stadion“. Da jedoch EnBW Sponsor der Fußball-WM ist, mussten die Buchstaben auf der Kölner Tribüne entfernt werden. Übrig geblieben ist das Wort „Stadion“. Harmonisch sehe das jetzt nicht aus, sagt Kölns WM-Beauftragter Horst Meyer, „aber so ist sie halt, die Fifa“.

Der entscheidende Paragraf steht im internen Pflichtenheft der Fifa, das dem Tagesspiegel vorliegt. Auf Seite 119 taucht der Punkt 8.1 auf, der „werbefreie WM-Stätten“ garantiert. Mindestens zwei Wochen vor dem ersten Spiel müssen die Stadien „frei von jedweder Werbung sein“; es sei denn, es handelt sich um welche der 21 WM-Sponsoren. Und weil der Konföderationen-Pokal zumindest bei den Offiziellen als kleine Weltmeisterschaft gilt, gelten die Regeln in den fünf Städten schon jetzt.

Deshalb wird aus der AWD-Arena das „Fifa-Stadion Hannover“ und aus der Commerzbank-Arena das „Fifa-Stadion Frankfurt“. Am Main mussten sie deshalb darauf verzichten, die bis zu acht Meter großen Buchstaben des Banksponsors auf das Dach zu heben. „Das machen wir nach dem Pokal“, heißt es bei den örtlichen Organisatoren. „Zur WM holen wir die Buchstaben mit einem Kran wieder runter.“ Nicht einmal auf Stadionuhren oder Rückenlehnen darf der Name eines Wettbewerbers auftauchen; auch das schreibt die Fifa vor.

Die Marketing-Regeln gehen noch weit über die Stadien hinaus. Denn es ist von „WM-Stätten“ die Rede, und die schließen Mannschaftshotels, Trainingsplätze und auch das Stadionumfeld ein. In Berlin zum Beispiel stand einmal eine Fifa-Delegation auf dem Stadiondach und schaute begeistert in die Umgebung – bis ein Manager das Corbusier-Haus sah. Da könne man ja ein Nike-Plakat an die Fassade hängen! Da Konkurrent Adidas WM-Sponsor ist, gehört die Fassade des großen Corbusiers nun auch zu den „WM-Stätten“.

Auch „der Luftraum“ über den WM-Stätten zählt zu den kontrollierten Gebieten. „Ohne die Klausel wäre es verdammt eng am Himmel“, sagen Organisatoren. Sie meinen damit all die Heißluftballons mit den Logos anderer Unternehmen, die über den Spielstätten schweben könnten.

Die WM-Sponsoren zahlen viel Geld für ihre Exklusivrechte, jeweils bis zu 25 Millionen Euro. Hyundai etwa ist Autosponsor, also fahren alle Offiziellen auch zum Konföderationen- Pokal mit den südkoreanischen Wagen herum. In Stuttgart, dem traditionellen Standort von Mercedes-Benz, wird das zur WM für Irritationen sorgen. „Die Daimler-Manager haben das aber geschickt ausgehebelt“, hat Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster einmal erzählt. Das Gottlieb-Daimler-Stadion muss nicht umbenannt werden. „Er ist ja eine Figur der Stadt“, sagt Schuster. Dabei hat der Konzern 1993 fast acht Millionen Mark für die Umbenennung des Neckarstadions bezahlt.

Die Regeln lassen sich sogar noch preisgünstiger austricksen. Obwohl bei der Europameisterschaft 2000 in Belgien und den Niederlanden der Bierproduzent Carlsberg Sponsor war, stattete der Konkurrent Amstel die Fußballfans vor den Stadien mit riesengroßen Hüten aus, auf denen das Amstel-Logo prangte. Die meisten Fernsehzuschauer hielten daraufhin Amstel für den offiziellen Biersponsor.

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