Sport : Nadelstiche für die Organisatoren

Ingo Wolff

Der Hallensprecher beim CHI Berlin verlor kurzzeitig den Überblick: "Wer ist denn dat nun schon wieder." So eben war ein Reiter durch den Parcours gegangen, der nicht auf der Liste für ein Nachwuchsspringen gestanden hatte. Der Holländer hatte offensichtlich die Hindernisse für einen Proberitt genutzt. Nun saß schon wieder eine Reiterin im Sattel, deren Name nicht mit dem auf der Anzeigetafel übereinstimmte. Turnierleiter Peter Krautwig gefiel das überhaupt nicht. Er brüllte in sein Funkgerät, und daraufhin versuchten Helfer hektisch, das Chaos zu beheben.

Es blieb die einzige Panne der Veranstalter, die für die Zuschauer sichtbar wurde. Sonst lief es rund im Velodrom. 45 000 Zuschauern kamen in vier Tagen, Henk Brüger, einen der beiden Organisationschefs, konnte sich sogar über mehr Zuspruch als im Vorjahr freuen.

Doch in den Gängen der großen Halle an der Landsberger Allee brodelte es. Noch immer wird von einigen Reitern die Abreitehalle kritisiert. Besonders die vielen Betonpfeiler stören. Franke Sloothaak hatte vor dem CHI sogar gesagt: "Die Abreitehallen und Stallungen entsprechen nicht internationalen Bedingungen. Wenn wir jede Woche so ein Turnier hätten, würde unsere Pferde das nicht lange mitmachen." Der Spruch hatte die Organisatoren mächtig verärgert. Im Laufe des Turniers hat sich seine Sicht ein wenig verändert: "Die Bedingungen haben sich verbessert, sind aber immer noch schlecht."

Einige der Topreiter verstehen Sloothaaks Kritik eher als Spitze gegen den zweiten Organisationschef Kaspar Funke. Beide sind sich nicht grün. Die Kritik bei den meisten Springreitern ist jedenfalls während der vier Tage leiser geworden. Olaf Peterson pflichtet ihnen bei. "Wir haben drei Meter mehr in der Breite des Parcours, das eröffnet ganz neue Möglichkeiten", sagt der Vorsitzende der Weltcupkommission.

Petersons Stimme hat bei der Vergabe der Weltcupstationen Gewicht. Den diesjährigen Weltcupfinalplatz Leipzig sieht er in Zukunft eher als Ergänzung denn als verdrängende Konkurrenz. Bei einer internen Umfrage über die 15 Stationen und insgesamt acht Bewerber sei Berlin in vielen Unterpunkten wie Fernsehen, lokale Medien, sportliche Wertigkeit ganz vorn. Da störe die Abreitehalle nur wenig in der Gesamtbewertung. Entsprechend optimistisch geben sich die Berliner Organisatoren. "Berlin liegt auf der alten Achse Paris, Berlin, Moskau, also in der Mitte Europas", sagt Brüger. Und Peterson pflichtet ihm bei: "Aus Berliner Sicht hätte ich um die Zukunft des Turniers wenig Angst."

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