Sport : Nah an den Grenzen

Der Streit zwischen der Fifa und Polen eskaliert

Warschau - Im Konflikt zwischen der polnischen Regierung und den internationalen Fußball-Dachorganisationen Fifa und Uefa haben sich kurz vor dem Ablauf eines Fifa-Ultimatums am Montag die Fronten weiter verhärtet. Er sei sicher, dass er seine Arbeit fortsetzen werde, sagte der vom Gericht eingesetzte Verwalter des Polnischen Fußballverbandes PZPN, Robert Zawlocki, gestern dem Fernsehsender TVPInfo. Für einen Verzicht gebe es keinen Grund, betonte der Rechtswissenschaftler, der vom Weltverband Fifa und der Europäischen Fußball-Union (Uefa) abgelehnt wird.

Unterdessen hat die Uefa den Druck auf Polen weiter erhöht und droht dem Land mit dem Entzug der Europameisterschaft 2012. „Unsere Geduld hat Grenzen. Wir sind nah an diesen Grenzen“, sagte Uefa-Kommunikationsdirektor William Gaillard. Eine Voraussetzung der EM-Ausrichtung seien gute Beziehungen zwischen den nationalen Fußball-Verbänden und den Regierungen. Im Falle Polens sei diese Voraussetzung nicht erfüllt. Polen müsse sich der Gefahr einer Aberkennung bewusst sein, sagte PZPN-Sprecher Zbigniew Kozminski.

Robert Zawlocki war am vergangenen Montag vom Schiedsgericht beim Polnischen Olympischen Komitee (PKOL) eingesetzt worden. Gleichzeitig wurde die alte PZPN-Führung mit Präsident Michal Listkiewicz an der Spitze suspendiert. Sportminister Miroslaw Drzewiecki begründete das radikale Vorgehen mit rechtswidriger Tätigkeit und fehlender Bereitschaft des Verbandes zur Bekämpfung der Korruption. Die internationalen Dachverbände sehen in diesen Maßnahmen einen Eingriff der Regierung in die Autonomie des nationalen Fußball-Verbandes. Fifa-Präsident Joseph Blatter rief Polens Behörden auf, bis Montag (12.00 Uhr) den Verwalter abzuberufen und die alte Führung wieder einzusetzen.

Sonst drohe Polen die Absage der beiden nächsten WM-Qualifikationsspiele gegen Tschechien am 11. und die Slowakei am 15. Oktober. Um einen Ausweg aus der verfahrenen Situation zu finden, hatten Regierungsvertreter und PZPN Verhandlungen aufgenommen. Die Gespräche wurden allerdings am Freitag abgebrochen. Sie würden solange nicht fortgesetzt, bis die Fifa ihr Ultimatum zurücknehme, sagte der Chef des politischen Kabinetts des Sportministers, Adam Giersz. Beunruhigt über die Eskalation des Konflikts in Polen zeigte sich nun auch der Co-Veranstalter der EM 2012, die Ukraine. Der Streit bringe sein Land und Polen in Misskredit, schrieb der Vorsitzende des ukrainischen Verbandes, Grigori Surkis. dpa

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