Sport : Nah an der Sensation

Haas unterliegt Federer, Kohlschreiber scheidet aus

Petra Philippsen
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So knapp gescheitert. Thomas Haas hatte Siegchancen gegen Roger Federer. Foto: AFP

Paris - Das Achtelfinale von Rafael Nadal hatte bereits begonnen, als Roger Federer vom Training im Stade Roland Garros in sein Hotelzimmer zurückkehrte. Doch Federer kam noch rechtzeitig, um die dramatischen Momente des Matchs mitzuverfolgen – und er fühlte mit Nadal, als dieser seine erste Niederlage bei den French Open hinnehmen musste. Federer kennt das Gefühl nur allzu gut, wenn der Traum von einem großen Titel so jäh zerstört wird. Doch im gleichen Moment sah Federer auch, dass sich nun seine eigenen Chancen auf den ersten Triumph bei den French Open dramatisch erhöht hatten.

In den vergangenen drei Jahren war der Schweizer regelmäßig im Finale von Paris an Nadal gescheitert, aber nach dessen Ausscheiden ist er nun der große Favorit auf den Titel. Doch Federer weigert sich, über das jeweils aktuell anstehende Match vorauszuschauen. Diesmal tat er gut daran. Es fehlte nicht viel, und Federer wäre wie Nadal im Achtelfinale gescheitert. Nur mit einem immensen Kraftakt konnte der Weltranglistenzweite das vorzeitige Aus gegen Thomas Haas verhindern. Mit 6:7, 5:7, 6:4, 6:0 und 6:2 rang Federer den Deutschen nieder. „Das tut richtig weh, es war so knapp“, sagte Haas frustriert. „Aber Roger ist eben einer der besten Spieler, und es ist erst nach dem letzten Punkt wirklich vorbei.“

Kurz darauf verabschiedete sich auch der letzte deutsche Teilnehmer aus dem Turnier. Philipp Kohlschreiber unterlag dem Spanier Tommy Robredo 4:6, 7:5, 6:7 und 2:6. Der Weltranglisten-31. war gegen den favorisierten Spanier nicht chancenlos, spielte aber nicht zwingend genug. „Ich habe alles probiert, war aber nicht so locker und bin ihm ab und zu ins offene Messer gelaufen“, sagte Kohlschreiber. „Seine Routine hat den Unterschied gemacht.“

Thomas Haas profitierte in seinem Match davon, dass seinem Gegner Federer zunächst wenig gelingen wollte. Ihm unterliefen derart viele leichte Fehler, dass den 15 000 Zuschauern teils der Atem stockte. Im ersten Satz gestand Federer Haas zwar nicht einen Punktgewinn bei seinem Aufschlag zu, trotzdem verlor er im Tiebreak. Mit dem frühen Break im zweiten Durchgang schien sich Federer wieder gefangen zu haben, halten konnte er den Vorteil jedoch nicht. Haas erhöhte den Druck und zwang Federer durch sein aggressives Spiel mit Zug zum Netz zu den satzentscheidenden Fehlern.

Der Favorit lag mit 0:2 hinten, die zweite Sensation bahnte sich an. Haas spielte in dieser Phase hervorragend, variierte sein Spiel und ließ bei seinem Aufschlag nur wenig zu. Nur mit viel Mühe und der Hilfe eines Balls, der direkt auf die Linie fiel, konnte Federer das Break zum 3:5 im dritten Satz abwenden. Es hätte wohl sein Aus besiegelt. „Das war der Knackpunkt“, sagte Federer später, „da wusste ich, ich kann es noch drehen.“ Im letzten Moment zeigte sich tatsächlich, warum er über fünf Jahre hinweg das Männertennis dominiert hatte wie kaum ein Spieler vor ihm. Federer drehte das Match, plötzlich übernahm er die Kontrolle und überließ Haas die Defensive. Nun stieg bei seinem Gegner die Fehlerquote, nichts funktionierte bei Haas noch wie zu Beginn.

„Man hat immer einen Plan, wie man gegen ihn spielen muss“, hatte der Deutsche vor dem Match gesagt, „aber er macht es einem nicht leicht, das durchzuhalten. Roger spielt extrem schlau und weiß, wo man den nächsten Ball hinschlägt.“ Die letzten beiden Sätze machte Federer zu einer Demonstration seines Könnens, die Erleichterung über den neunten Sieg gegen Haas schrie er förmlich heraus. „Tommy hat es mir sehr, sehr schwer gemacht“, sagte Federer später. „Er hat unglaublich stabil gespielt. Ohne diesen Punkt zum 4:4 wäre es vorbei gewesen. Dann lief es besser für mich.“ Petra Philippsen

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