Sport : Nahezu geräuschlos erreicht der Russe das Finale der Australian Open

Jörg Allmeroth

24 Stunden nach dem dramatischen Duell der beiden Tennis-Superschwergewichte Andre Agassi und Pete Sampras ist das zweite Australian-Open-Halbfinale im roten Bereich der Güteskala verlaufen: Ohne sichtliche Anstrengung, ohne Nervenkitzel und Thrill peitschte Titelverteidiger Jewgeni Kafelnikow (Russland) am Freitag seinen relativ unerfahrenen Gegenspieler Magnus Norman mit 6:1, 6:2 und 6:4 aus der Rod-Laver-Arena. Damit war mit Kafelnikow kontra Agassi, wie im Damen-Wettbewerb zwischen Martina Hingis und Lindsay Davenport, der Showdown der beiden topgesetzten Spieler perfekt.

Beim Einbahnstraßen-Tennis auf dem Centre Court sah der vorgeführte Schwede Norman an einem "schwarzen Freitag" fast aus wie ein Lehrling, der niemals der Größe der Herausforderung gewachsen war. Nichts war zu sehen von der Klasse, die Norman tags zuvor beim Sieg über den Deutschen Nicolas Kiefer demonstriert hatte: "Ich bin kaum ins Schwitzen gekommen", sagte Kafelnikow nach einem Spiel, das nie wirklich eines war. Nach kaum anderthalb Stunden Arbeitszeit konnte der Russe seine Tasche schon wieder zusammenpacken und sich auf den letzten Tennis-Zweikampf dieses Turniers mit dem an Nummer eins gesetzten Agassi vorbereiten. Kafelnikow, sonst nicht gerade für Genügsamkeit bekannt, stufte sich als "großen Außenseiter" ein: "Andre ist eindeutig der Favorit. Er hat bislang in Melbourne in einer anderen Liga als ich gespielt."

Kafelnikow, in den letzten sechs Jahren fünf Mal der Eisenmann im Tourzirkus mit den meisten gespielten Matches, hat in Melbourne bisher - abseits des Trubels um Agassi, Sampras, Philippoussis und Hewitt - einen geradezu geräuschlosen Siegeszug hinter sich gebracht. Außer dem an Nummer zwölf gesetzten Norman musste der Titelverteidiger keinen hochkarätigen Gegenspieler ausbooten - stattdessen kreuzten sich seine Wege vornehmlich mit Vertretern der Tennis-Mittelklasse wie Knippschild, Vacek, Koubek, Rochus und El Aynauoi.

Die günstige Auslosung nutzte Kafelnikow im Gegensatz zu Nicolas Kiefer kühl und effektiv: "Ich habe genau das geschafft, was ich von mir erwartet habe." Noch beim Vorbereitungsturnier auf der alten Grand-Slam-Anlage von Kooyong hatte er alle seine Testspiele verloren und finster prophezeit, "dass ich mit der Titelvergabe nichts zu tun haben werde."

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