• Nandrolon macht nachdenklich - IAAF-Präsident Diack ist bei den vielen Dopingfällen skeptisch

Sport : Nandrolon macht nachdenklich - IAAF-Präsident Diack ist bei den vielen Dopingfällen skeptisch

Robert Hartmann

Der Senegalese Lamine Diack berichtet von einer neuen Nachdenklichkeit über die vielen Dopingfälle mit Nandrolon. Dies teilte er kürzlich in einem Interview der britischen Tageszeitung "Daily Mail" mit. Die hohe Zahl von Nandrolon-Fällen, ausgerechnet in seiner Sportart, der Leichtathletik, machte den 66-jährigen Präsidenten des Weltdachverbandes IAAF stutzig. Mittlerweile gibt es weltweit 343 positive Fälle von Nandrolon-Doping. Das verwundert, zumal dieses Mittel sehr einfach im Urin nachgewiesen werden kann.

Dies hängt auch damit zusammen, dass es die US-amerikanische Lebensmittel- und Arzneimittel-Kontrollbehörde FDA in Washington für den Markt frei gegeben hat. Ihre Begründung lautet: Eine Dopingwirkweise ist, sofern die Substanz oral eingenommen wird, also über den Mund und nicht als Spritze, nicht nachweisbar. So taucht es als Nahrungsergänzungsmittel inzwischen in vielen Produkten auf. Teilweise wird es nicht einmal mehr kenntlich gemacht. "Wir müssen herausfinden, warum die Athleten positiv sind," sagt der Senegalese. "Unsere Regeln kennen außergewöhnliche Umstände an, und wenn sie existieren, können wir zustimmen, dass die Person die Regeln nicht gebrochen hat."

Vor diesem Hintergrund muss das Forschungsprojekt gesehen werden, das der Internationale Leichtathletik-Verband jetzt, wie berichtet, in Auftrag gab. Zu klären gilt beispielsweise die Frage des Grenzwertes, jenseits dessen von Nandrolon-Doping gesprochen werden kann. Sind die derzeit gültigen zwei Nanogramm für Männer und fünf Nanogramm für Frauen realistisch? Oder tritt ein Dopingeffekt erst bei höheren Werten ein? Der frühere 5000-Meter-Olympiasieger Dieter Baumann hatte rund zwanzig Nanogramm in der Urinprobe. Der Deutsche vermutet, dass ihm die Substanz über zwei Zahnpastatuben untergeschoben wurde, so dass er im vergangenen Herbst zwei Mal positiv getestet wurde.

Diack sagt: "Wir ziehen unsere Erkundigungen ein, weil wir akzeptieren, dass irgend etwas geschieht, das wir nicht verstehen." Er sei nicht überzeugt, dass Linford Christie, Merlene Ottey und Dieter Baumann am Ende ihrer aktiven Zeit auf die Seite der Betrüger gewechselt seien. Der Afrikaner nennt ausdrücklich diese in der Leichtathletik berühmtesten Namen, in deren Urin sich die Spuren von 19-Norandrostendion fanden, einer Vorläufersubstanz des Hormonmittels Nandrolon.

"Ich habe mich mit Christie getroffen," erzählt der Senegales. "Er entwickelt junge Athleten, er gibt dem Sport etwas zurück. Ottey ist ein Kinostar für unseren Sport. Baumann ist der Europäer, der zeigte, dass es möglich ist, die Afrikaner auf den Mittelstrecken zu besiegen. Wenn sie positiv sind, ist es ein Desaster für unseren Sport." Warum hätten sie mit dem Dopen beginnen sollen?

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