Sport : Nationalelf: Daum soll Vertrag bis 2006 erhalten

Berti Vogts erwartet in der Rücktritts-Diskussion um den designierten Bundestrainer Christoph Daum entschlossenes Handeln vom Deutschen Fußball-Bund (DFB). "Jetzt müsste ein deutliches Zeichen vom DFB gegenüber Christoph Daum kommen. Ich würde seinen Vertrag sofort bis 2006 verlängern, damit die Spieler genau wissen, mit wem sie es in den nächsten sechs Jahren zu tun haben", sagte der ehemalige DFB-Chefcoach, der vor zwei Jahren nach achtjähriger Amtszeit als Bundestrainer zurückgetreten war, in der Tageszeitung "Die Welt". Der DFB bleibt allerdings bei seinem Standpunkt: "Wir haben einen Vertrag bis 2004 vereinbart, dabei bleiben wir auch", erklärte DFB-Pressechef Wolfgang Niersbach, "der Vertrag ist eine Formalie. Daum macht das über seinen Anwalt Prinz."

Niersbach wies nochmals darauf hin, dass es von Seiten des Verbandes keinerlei Abweichen von Daum gegeben habe. "Er ist bei koordinierenden Gesprächen eingebunden gewesen. So waren die Ernennung von Michael Skibbe zum DFB-Trainer oder die Gespräche, die Rudi Völler mit Stefan Effenberg geführt, mit ihm abgesprochen." Zudem habe der Bayer-Coach in ständigem Kontakt zu DFB-Vizepräsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder gestanden. Außerdem habe Daums Noch-Arbeitgeber Bayer Leverkusen schon am 3. Juli durch Manager Reiner Calmund eindringlich darauf hingewiesen, dass Daum in der laufenden Saison noch bei Bayer unter Vertrag stehe und es keine Stellungnahmen des Trainers zu Nationalmannschaftsthemen mehr gebe.

Laut Vogts hätte man "sich im Vorfeld sehr deutlich zu Christoph Daum bekennen und vertraglich alles in trockenen Tüchern haben müssen". Daum hatte nach dem Punktspiel bei Energie Cottbus laut darüber nachgedacht, aufgrund der negativen Meinung in den Medien und der Öffentlichkeit nicht wie vorgesehen am 1. Juni 2001 das Bundestrainer-Amt anzutreten. Am 2. Juli hatte der DFB mit dem 46-Jährigen vereinbart, im Juni für drei Jahre als verantwortlicher Chefcoach in die Dienste des Verbandes zu treten.

Als "Platzhalter" fungiert bis dahin Teamchef Rudi Völler, bisher Sportdirektor von Vizemeister Bayer Leverkusen. Der Ex-Nationalspieler hat durch seine Auftakterfolge gegen Spanien (4:1) und Griechenland (2:0) den Druck auf Daum erhöht. Dieser will sich offenbar nach dem EM-Qualifikationsspiel in England am 7. Oktober endgültig entscheiden, ob er Bundestrainer wird oder nicht.

Auch DFB-Vizepräsident Franz Beckenbauer meldete sich zum Fall Daum zu Wort. "Er soll sich nicht verrückt machen lassen und nicht so empfindlich reagieren. Als Bundestrainer muss man über vielen Dingen stehen. Falls er zweifelt, soll er sich das schnell überlegen und schnell entscheiden", meinte der Präsident des Rekordmeisters Bayern München.

Der "Kaiser" verharmloste die Sticheleien der jüngsten Vergangenheit der Bayern gegen den Bayer-Coach durch ihn selbst, Manager Uli Hoeneß, Trainer Ottmar Hitzfeld und Kapitän Stefan Effenberg: "Ach, geh! In Leverkusen wird genauso viel erzählt. Da gibt es ja auch Plauderer." Beckenbauer ist nicht überrascht über die Entwicklung, "weil die Konstellation schwierig ist".

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