Nationalelf : Die Kunst der Aufstellung

Der deutsche EM-Kader besteht aus zwei vollwertigen konkurrenzfähigen Mannschaften. Aber kann Bundestrainer Joachim Löw aus diesem Quell auch eine Mannschaft formen, die doppelt so gut ist?

von und
Auf geht's! Im Gefolge von Bundestrainer Joachim Löw (oben) brachen am Montag 23 Nationalspieler in Richtung ihres EM-Quartiers bei Danzig auf. Lesen Sie im folgenden, welche Spielertypen Löw mit auf die Reise zur Europameisterschaft in Polen und der Ukraine nimmt.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Reuters
04.06.2012 11:55Auf geht's! Im Gefolge von Bundestrainer Joachim Löw (oben) brachen am Montag 23 Nationalspieler in Richtung ihres EM-Quartiers...

Lukas Podolski streifte gestern Mittag durch den verglasten Teil des Mannschaftshotels. Nicht dass er irgendetwas Bestimmtes suchte, doch dann kreuzte sein Weg den eines italienischen Journalisten, der ihm während seiner 100 Länderspiele immer mal wieder begegnet ist. Podolski begrüßte den Kollegen aufs Herzlichste. „Come stai?“, fiel es Podolski aus dem Mund, seine Rechte hatte er dem Italiener dabei schon irgendwie Trost spendend auf die Schulter gelegt. „Wir sehen uns am Donnerstag!“ Mit diesen Worten schloss Podolski die kurze Konversation.

Der zurückgebliebene italienische Kollege, der seit Jahren seine Heimat mit Berichten über den deutschen Fußball versorgt, war einigermaßen erstaunt über die Zuversicht Podolskis. Wie könne der sich so sicher sein, dass er mitspielen darf, wenn es am Donnerstag in Warschau im EM-Halbfinale zum Duell zwischen Deutschland und Italien kommt?

Podolski hatte gerade erst die Kehrseite der sonst so gerühmten neuen Möglichkeiten der Deutschen zu spüren bekommen, die der beste Kader aller Zeiten so hergibt. Obwohl Podolski in seinem 100. Länderspiel noch das wichtige 1:0 geschossen und damit den Sieg über Dänemark eingeleitet hatte, wurde er von Bundestrainer Joachim Löw für das Viertelfinalspiel gegen Griechenland aus der Startelf gekegelt.

Die deutschen Spieler in der Einzelkritik, nach dem 4:2 gegen Griechenland:

Die deutschen Spieler in der Einzelkritik
Die deutsche Startelf gegen Griechenland: Badstuber, Neuer, Hummels, Khedira, Boateng, Klose (v. l. o.) - Lahm, Schürrle, Reus, Schweinsteiger, Özil (v. l. u.). Gegen Italien hat Joachim Löw wieder umgebaut.Weitere Bilder anzeigen
1 von 15Foto: AFP
22.06.2012 23:10Die deutsche Startelf gegen Griechenland: Badstuber, Neuer, Hummels, Khedira, Boateng, Klose (v. l. o.) - Lahm, Schürrle, Reus,...

Gut, man könnte jetzt einwenden, dass es auch noch andere prominente Spieler wie den dreifachen Turniertorschützen Mario Gomez und Thomas Müller getroffen hat, den Torschützenkönig der vergangenen WM. Doch in der sechsjährigen Amtszeit als Bundestrainer hat kein Spieler öfter unter Löw gespielt als Podolski. „Das ist doch kein Beinbruch“, sagt ein gut gelaunter Podolski. Der Trainer habe ihm das vernünftig erklärt. Dass er gegen die ultradefensiven Griechen mal was ausprobieren wolle. Konnte ja keiner ahnen, dass es dann so gut klappte.

Aber das ist ja das Problem. Noch nie war eine deutsche Mannschaft bis in die Tiefen des Kaders so stark besetzt.

4 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben