Sport : Nationalelf: Ein Neuanfang dank Effenberg (Kommentar)

Sebastian Arlt

Bei Länderspielen gehört Papa uns! So in etwa muss sich wohl der Protest der Kinder von Stefan Effenberg angehört haben. Jedenfalls hat der Mittelfeldspieler des FC Bayern München als einen Hauptgrund für sein Nein zu einem Comeback in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft die Familie genannt. Sie habe ihn gedrängt, doch nicht die Bitten des neuen Teamchefs Rudi Völler zu erhören, der den 35-fachen Nationalspieler gerne als Mittelfeld-Chef für den geplanten Neuaufbau gesehen hätte. Effenberg, der sich bei der Weltmeisterschaft 1994 als schlimmster Finger im deutschen Team erwiesen hatte und daraufhin von Bundestrainer Berti Vogts aus der Mannschaft geworfen wurde, war schon wankelmütig geworden. So wie im September 1998, als ihn Vogts zu einem Comeback überredete, das dann auf Malta allerdings nur ein paar Tage lang dauerte.

Noch einmal ist Effenberg nicht umgefallen - und das ist gut so. Natürlich könnte die bei der EM desolat aufgetretene DFB-Elf einen Weltklassespieler wie ihn sehr gut brauchen. Doch dieser ist schlau genug, um zu wissen: Seine Stärke resultiert auch daraus, dass er nicht nur - wie man so schön sagt - den Kopf frei hat für seinen Klub, sondern weil für ihn mit seinen 31 Jahren weniger körperliche Belastung mehr ist. Zudem ist ihm auch klar, dass gerade er der geborene Sündenbock gewesen wäre, wenn es mit der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2002 nicht nach Wunsch laufen sollte.

Andauernd wurde in den vergangenen Wochen ein Neuanfang bei der Nationalmannschaft beschworen. Eine erfolgreiche Rückholaktion des Stefan Effenberg wäre jedoch das falsche Zeichen gewesen. Rudi Völler und in einem Jahr dann Christoph Daum müssen mit jungen Spielern perspektivisch in Richtung WM 2006 in Deutschland arbeiten. Der Neuaufbau wird weh tun. Welt- und Europameister Frankreich etwa war sowohl 1990 als auch 1994 bei der WM nur Zuschauer. So richtig scheint man sich darüber aber beim Deutschen Fußball-Bund nicht im Klaren zu sein. Sofort nach der Inthronisierung Rudi Völlers wurde die WM-Teilnahme 2002 wie selbstverständlich als oberstes Ziel definiert. Als Vogts ging, meinte man für kurze Zeit, das Problem des deutschen Fußballs sei nun gelöst. Ähnliches traut man jetzt vorschnell Völler/Daum zu. Effenberg hat seinen Beitrag dazu geleistet, dass der DFB nun wirklich von vorne anfangen muss.

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