Nationalelf : Löw: Frings muss die Pille schlucken

Bundestrainer Joachim Löw kann die Kritik von Nationalspieler Torsten Frings nicht nachvollziehen. Das sei kein mangelnder Respekt, sondern eine rein sportliche Entscheidung.

Bundestrainer Joachim Löw hat mit Unverständnis auf die heftige Kritik von Torsten Frings reagiert und will sich bei seinen Personalplanungen auf dem Weg zur Weltmeisterschaft 2010 auch von der Rücktrittsandrohung des gefrusteten Bremer Routiniers nicht unter Druck setzen lassen. "Er genießt bei mir weiterhin eine hohe Wertschätzung, allerdings kann ich im Sinne des Konkurrenzkampfes keine Stammplatz-Garantie geben. Das ist aber keine Frage fehlenden Respekts gegenüber ihm, wie er das formuliert, sondern der Einschätzung der sportlichen Situation im Nationalmannschaftskader und damit auch seiner sportlichen Perspektiven", sagte Löw.

Frings hatte bei den letzten beiden WM-Qualifikationsspielen gegen Russland (2:1) und Wales (1:0) nur auf der Bank gesessen. Aus Frust darüber deutete er in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung erstmals einen Rückzug aus dem DFB-Team an. "Ich denke an einen Rücktritt, der schießt mir immer wieder durch den Kopf. Nicht, weil ich beleidigt bin, sondern weil mir die letzten Tage die Augen geöffnet haben", sagte der Mittelfeldspieler vom Bundesligisten Werder Bremen. Bei Löw vermisse er "Rückendeckung, Vertrauen und Respekt".


Frings fühlt sich gedemütigt



Dass der Bundestrainer auf ihn baue, merke er nicht. "Und mit fast 32 Jahren hast du ein Gespür für so etwas. Ich sehe bei ihm derzeit keine Perspektive für mich", sagte der 78-malige Nationalspieler, der am Mittwochabend gegen Wales nicht einmal eingewechselt worden und zuvor gegen Russland nur sieben Minuten zum Einsatz gekommen war. "Ich spiele nicht, darf mich gegen Wales noch nicht mal warmlaufen. Das war für mich die Krönung, eine Demütigung", sagte der 31-Jährige.

Löw, der vor dem DFB-Präsidium in der Verbandszentrale in Frankfurt am Main eine positive sportliche Bilanz für das Jahr 2008 zog, wies die Anschuldigungen zurück. "Wir hatten immer Respekt vor den Leistungen von Torsten, aber mit Blick auf die WM 2010 in Südafrika müssen auch jüngere Spieler, die sich in der Bundesliga ebenfalls durch gute Leistungen hervortun, ihre Chance erhalten", begründete der DFB-Coach seine Entscheidung.

Dies habe er Frings nach dem Wales-Spiel in Mönchengladbach auch klar gemacht. "Ich habe mit Torsten in den vergangenen zwei Tagen zwei ausführliche Gespräche über seine Rolle und unsere aktuellen Überlegungen geführt", sagte Löw, der durchaus Verständnis für Frings hat: "Logischerweise sind Spieler unzufrieden, wenn sie nicht spielen. Aber das ist eine Situation, die ich möchte." Derzeit sei der Routinier jedoch nicht erste Wahl. "Ich weiß, dass er seine Leistung noch bringen kann und bringen wird. Jetzt muss er diese Pille eben auch mal schlucken", sagte Löw. (leu/dpa)

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